„Da steckt viel Keck mit drin!“

Sandra Keck spielt bereits seit 1990 am Ohnsorg-Theater. Foto: cvs
 
in Mann, der halb so alt ist wie ich? Petra (Sandra Keck, r.) traut sich anfangs nicht so recht, ihre Freundinnen (Tanja Bahmani, l., und Kristina Bremer) machen dafür ordentlich Dampf. Foto: Maike kollenrott

Die Harburger Schauspielerin Sandra Keck spielt die Hauptrolle im neuen Ohnsorg-Stück

Von Ch. v. Savigny. Meistens schminkt sich Sandra Keck selbst. „Das brauche ich zum Runterkommen“, sagt sie. Heute ist das nicht nötig. Die Ohnsorg-Schauspielerin fühlt sich entspannt. Wohlig legt sie ihren Kopf nach hinten, um sich schminken zu lassen. „So ist es gut“, sagt sie, während ihr Maskenbildnerin Claudia Ruppelt vorsichtig das Gesicht mit einem Wattebausch abtupft. Ihre Kollegen Kristina Bremer und Evangelos Sargantzo haben die Make-up-Prozedur bereits hinter sich und leisten Keck Gesellschaft. Die Stimmung ist gelöst. „Seid ihr gestern noch versackt?“ fragt Sandra Keck. Sargantzo nickt. Gelächter. Es gab Grund zum Feiern: Am Vor-abend ist die Premiere des neuen Stücks „Wat den een sein Uul“, auf Hochdeutsch „Was dem einen recht ist“, über die Bühne gegangen. Mit großem Erfolg: Das Publikum war begeistert, etliche Male musste das Ensemble vor den Vorhang treten, um sich zu verbeugen.

Es ist kurz vor 18 Uhr im Ohnsorg-Theater, das seit vier Jahren im Bieberhaus am Hauptbahnhof zu Hause ist. Noch eine gute Stunde bis zum Beginn der Vorstellung. Inzwischen sind weitere Beteiligte eingetroffen: Ankleiderin Claudia Hausberg bügelt noch schnell ein Kostüm, Inspizientin Elena Pein checkt den Zustand der Bühne, Souffleuse Isabel Huster sitzt bereits in ihrem kleinen Kabuff und hat die Textvorlage des plattdeutschen Stü-ckes vor sich aufgeschlagen. „Eigentlich bin ich hier ja überflüssig“, sagt sie fast ein wenig entschuldigend. Denn die Darsteller hätten ihre Rollen so gut drauf, dass sie gar nicht zu helfen brauche. Wie aufs Stichwort betreten jetzt Evangelos Sargantzo und Laura Bleimund die Bühne vor dem noch leeren Zuschauerraum, um ihre Stimmbänder mit ein paar Textzeilen auf Touren zu bringen. Auch eine Methode, um „Runterzukommen“. „Jeder von uns hat eine andere Art, sich vorzubereiten“, erklärt Sargantzo. „Man merkt selbst am besten, was einem gut tut.“

Profunde Plattdeutsch-Kenntnisse braucht man nicht

Sandra Keck (48), langjähriges Mitglied im Ohnsorg-Ensemble, spielt die Hauptrolle in diesem Stück, das von einer Frau zwischen zwei Männern handelt. Sie selbst schlüpft in die Rolle von Petra, eine Frau in den besten Jahren, die Knall auf Fall von ihrem Ehemann verlassen wird – um dann völlig unverhofft von einem gutaussehenden Jüngling (Sargantzo) umgarnt zu werden. Eine Komödie mit ernsthaften Untertönen, die von den Darstellern so lebendig und überzeugend auf die Bühne gebracht wird, dass selbst dem Zuschauer ohne profunde Plattdeutsch-Kenntnisse nicht allzu viel entgehen dürfte. „Es gibt wenige Rollen, die einem so viele Gefühlsfacetten abverlangen“, findet Keck. Als „Petra“ schwankt sie zwischen abgrundtiefer Verzweiflung und zaghafter Verliebtheit, in die sich jedoch eine große Portion Skepsis mischt – denn schließlich ist ihr Lover mal eben so alt wie ihre Tochter. „Es steckt auch eine Menge Keck mit drin“, sagt die Schauspielerin über ihre Rolle. Denn verstehen kann sie beide Seiten: Sowohl die Ehefrau, die sich schwer gedemütigt fühlt, als auch den Mann, „der an seinem 50. Geburtstag plötzlich einen Rappel kriegt und nochmal von vorne anfangen möchte“.

„Eine tolle Frau“, sagt Sandra Keck über Heidi Kabel

Ihren ersten Auftritt am Ohnsorg-Theater hatte Keck, die auch als Autorin, Regisseurin und Sängerin aktiv ist, im Jahr 1990. Etliche Male stand sie mit Heidi Kabel zusammen auf der Bühne. „Ein tolle Frau“, sagt sie über ihre ehemalige Kollegin. „Sehr ernsthaft und unglaublich diszipliniert, gleichzeitig aber auch unwahrscheinlich witzig!“ Davon hat sich die Harburgerin sicherlich einiges abgeguckt – in Sachen Spontaneität und Lebenslust kommt sie ihrem Vorbild jedenfalls schon recht nahe.


Das Stück „Wat den een sein Uul“ läuft noch bis Sonnabend, 28. Februar, im Ohnsorg-Theater, Heidi-Kabel-Platz 1. Kartentelefon: 040/35 08 03 21. Internet: www.ohnsorg.de

Info: Ohnsorg-Theater

Das Ohnsorg-Theater wurde 1902 von Schauspieler Richard Ohnsorg gegründet, spielte aber erst ab 1920 – unter der Bezeichnung „Niederdeutsche Bühne Hamburg“ – ausschließlich plattdeutsche Stücke. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Einrichtung den Namen „Ohnsorg-Theater“. Im Jahr 2011 zog das Haus von den Großen Bleichen an seinen derzeitigen Standort neben dem Hauptbahnhof um. Eines der populärsten Stücke war „Tratsch im Treppenhaus“, von dem der NDR aufgrund des Erfolgs mehrere Fortsetzungen produzierte. Henry Vahl und Heide Sicks gehörten zu den bekanntesten ehemaligen Schauspielern – unvergessen bleibt jedoch in erster Linie Ohnsorg-Legende Heidi Kabel (1914 – 2010).
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