Bühnenreif

Der Ohnsorg-Star privat: Sandra Keck zu Hause in Harburg mit Familienhund Bohle. Foto: Hans Kall
 
Sie hat die Haare schön: Sandra Keck in „Rock op Platt III“. Foto: Jutta Schwöbel
 
Schwein muss man haben: Kecker Auftritt in „Bauernhof-Rock“. Foto: Peter Schippke

Sandra Keck hat den Laden im Ohnsorg-Theater mit ihren Rock-Revuen ordentlich aufgemischt – ein Porträt der sympathischen Harburgerin

Von Chris Köslin. Wo Sandra Keck und ihre zwei Männer zu Hause sind, weiß eigentlich jeder in der Rickelstraße in Harburg. Zunächst, noch bevor der Besucher die Klingel am Eingang erreicht, wandert sein Blick nach ganz oben. Hinten, aus dem Garten, strebt eine mächtige Tanne in den Himmel. Ihre ausgebreiteten Äste, ihr leuchtendes Grün – ein Bild, wie ein kraftvoller Willkommensgruß. Noch bevor wir die Klingel erreichen, fliegt die Haustür auf. Und da steht sie mit ausgebreiteten Armen, die Frau mit dem kurz geschnittenen schwarzen Schopf und den lachenden Augen. „Ich freu mich“, sagt Sandra Keck und weist den Eintritt in ihr ganz privates Leben.
Bühnenreif – dieses Willkommen von Sandra Keck, die auf ihrer Fanseite ihr öffentliches Leben mit Schauspielerin – Sängerin – Autorin und Regisseurin zusammenfasst. Oder zeigt die vielseitige Künstlerin, die seit mehr als zwei Jahrzehnten das Ohnsorg-Theater so entscheidend mit prägt, hier und jetzt ihre ganz private Seite?
Wie ungenau und oberflächlich diese Trennung von Bühnen- und privatem Leben bei Sandra Keck eigentlich ist, wird in den zwei Stunden immer deutlicher, die wir mit ihr im Garten sitzen und erzählen und fragen und viel lachen. „Ob ich Nutte oder Nonne spiele“, bringt sie ihr ganzes Leben auf den Punkt, „ich bin immer authentisch. Ob ich jetzt ein Stück schreibe, Regie führe oder als Schauspielerin Abend für Abend bis zu 80 Mal in demselben Stück auf der Bühne stehe, das größte Lob und die schönste Anerkennung für mich ist, wenn die Kollegen und wenn die Leute im Parkett hinterher sagen: Wieder typisch Keck.“
Diese Verschmelzung zwischen Beruflichem und Privatem kann bei Fremden oft für Verwirrung und Verblüffung sorgen. Bei einem ihrer beliebten Waldspaziergänge beispielsweise mit Mann und Hund Bohle kommt ihnen ein älteres Ehepaar entgegen. Und die hören, wie Sandra Keck nach der Melodie von „Don’t Cry For Me Argentina“ laut und deutlich in ihr Handy singt: „Ween nich üm me Poppenbüttel!“ Was soll das Ehepaar denken? Viele tausend Ohnsorg-Freunde, die sich in den vergangenen 15 Jahren bei „Rock op platt“ die Hände heiß geklatsch haben, wissen es natürlich:, „Ween nich üm me Poppenbüttel“, singt die alte Kuh Helma, die zum Schlachthof geführt wird. Sandra Keck ist die Autorin dieser unglaublich erfolgreichen Rock-revue, und steht als Darstellerin auf der Bühne.
„Ich weiß, mein Gehirn ist ein bisschen verrückt“, kommt Sandra Keck beim Gespräch im Garten lachend der Frage zuvor, wie man auf solche Ideen kommen kann. „Ich liebe es, die Menschen zu unterhalten, und noch mehr liebe ich es, sie dabei zu überraschen“, sagt sie.

Mit Rolf Zuckowski vor einem Millionenpublikum

Das muss ihr schon als kleines Mädchen gelungen sein. Die Eltern jedenfalls hatten sie und Florian, den kleinen Bruder, schon früh bei „Kinder spielen für Kinder“, der Theatergruppe an der Außenmühle, angemeldet. Beim „Fest der Nationen 1981“ wurde Liedermacher Rolf Zuckowski auf die beiden aufmerksam. Er wählte sie für „Rolf und seine Freunde“ aus. Mit den Geschwistern aus Harburg und drei weiteren kleinen Sängern gelang Rolf und seinen Freunden der Hit „… und ganz doll mich“. Unvergessen, auch für Sandra Keck. „40 große Auftritte hatten wir damals“, bli-ckt sie ein bisschen wehmütig zurück. „Auch bei der ,Wetten, dass’-Show waren wir, die 1982 noch von Frank Elstner moderiert wurde.“

Wenn Keck Regie führt, braucht sie Diplomatie


Früh schon war also die Frage beantwortet, was sie denn einmal werden wolle. „Noch vor der Abschlussprüfung auf der Schauspielschule hatte ich den Vertrag vom Ohnsorg-Theater unterschrieben.“ Und so wie sie das erzählt und noch ergänzt, dass sie seit 1990 zum festen Ensemble gehört, hält man das für die normalste Sache der Welt. Und bei ihrer lebensfrohen, aber auch energischen Tüchtigkeit scheint es fast selbstverständlich, dass sie längst auch Regie führt. „Bei zwei Stücken in einer Spielsaison stehe ich auf der Bühne“, erzählt sie. „Bei zwei weiteren Stücken führe ich Regie. Das heißt, sechs Wochen lang täglich Probe. Mit viel Anerkennung und Lob für die Kollegen.“ Regisseure der alten Schule müssen sich heute anpassen. „Heute braucht man sehr viel Diplomatie und Charme bei der Regiearbeit“, sagt Sandra Keck.
Bohle, das strubbelige Familienmitglied, hat sich den Teppich drinnen als Arbeitsplatz ausgesucht. Auf dem zerkaut er sein Stöckchen. Grund für eine Zurechtweisung? Das passt nicht zu dieser Familie. Herrchen räumt den zerbissenen Stock weg, als er nach Hause kommt. Ehefrau Sandra schildert indes die glücklichste Inszenierung in ihrem Leben. Und das auf ihre Weise. „Wir probten ,Käptn by bay’. Ich spielte Madam Gaulou, die tätowierte Puffmutter. Der Regisseur brachte einen unglaublich guten Stepptänzer und Choreografen mit. Stephan hat zuerst das Stück und dann auch mich aufgemischt.“
Seit 16 Jahren ist Stephan Grühn auch amtlich ihr Ehemann. „Unser schönstes Keck-Stück“, fügt die Mama-Ehefrau und Geliebte (die Reihenfolge ist von ihr) hinzu, „ist Gregory Keck, unser zwölfjähriger Sohn.“ Der ist, das darf man durchauserwähnen, Hamburger Kunstturnmeis-ter bei den Schülern.
Aber nicht für die Mutter, sondern für die Autorin rückt die Weihnachtszeit schon bedenklich nahe. Die so überschäumend kreative und doch so bodenständige Sängerin („Sabbel nicht – sing!“ heißt ihr Soloprogramm) und Volksschauspielerin hat selbst an die 20 Stücke in Plattdeutsch für ihr Theater erdacht und niedergeschrieben. Und sitzt jetzt am siebten Weihnachtsmärchen in Hochdeutsch für die Kinder. „Die kleine Meerjungfrau werden wir spielen“, verrät Sandra Keck. „Da ist der kleine, süße Kugelfisch und der singt: ,Hör auf Dein Herz – nur dann gehört dir die Welt’.“
Als Sandra Keck so fröhlich vorsingt, kommt Hund Bohle vom Teppich. Er schaut zu ihr hoch und wedelt mit dem Schwanz. Ihm scheint zu gefallen, was sein Frauchen da wieder erdacht und ausprobiert hat.

Sandra Keck

wurde 1967 in Cuxhaven geboren. Seit 1990 ist sie beim Ohnsorg-Theater engagiert. Sandra Keck erhielt 2014 den Rolf Mares Preis für ihre Darstellung der Johanna in „Lengen na Leev“.
Demnächst ist sie in „Honnig in'n Kopp“, der plattdeutschen Fassung des Til-Schweger-Films zu sehen.
Premiere ist am 2. Oktober.
❱❱ www.ohnsorg.de
❱❱ www.sandra-keck-fanseite.de
❱❱ www.rockopplatt.de/
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