Bücher für den Sommer

Urlaubgsgepäck: Spaß am Lesen gehört für viele auf Reisen dazu. Foto: Panthermedia
 
Joachim Winkelmann: Eduard F. Pulvermann 1882 – 1944

Einige empfehlenswerte Schmöker aus der Nachbarschaft

Von Volker Stahl. Sommer, Sonne, Strand – und dort, vom Wasser umrauscht, ein gutes Buch in der Hand. So stellen sich bibliophile Menschen den idealen Urlaub vor. Wir haben uns durch die Bücherstapel gekämpft und sagen, welche Werke man bedenkenlos im Koffer verstauen kann.

Die Biographie des Derby-Gründers

Als im Mai Pferde und Reiter über den Parcours in Klein Flottbek gingen, vergaß der Livekommentator nicht zu erwähnen, dass direkt neben dem Platz in Klein Flottbek seit einigen Jahren der „Eduard F. Pulvermann-Weg“ an den Gründer des Deutschen Derbys erinnert. Die Benennung geht auf Joachim Winkelmann zurück, der seit 2006 über das Leben des Schöpfers des schwierigsten Hindernisses „Pulvermanns Grab“ forscht. Der Osdorfer hatte bislang verschollen geglaubte Akten im Bundesarchiv entdeckt.
Die erste Auflage der biographischen Notizen sind vergriffen, nun hat Winkelmann die zweite und aktualisierte und erweiterte Auflage veröffentlicht. Insbesondere Pulvermanns trauriges Ende nach dreijähriger Haftzeit im Untersuchungsgefängnis, wo er unter anderem wegen angeblicher Devisenvergehen einsaß, und im Konzentrationslager Neuengamme konnte der Autor nun deutlicher beschreiben. Wie der anfangs deutschnational eingestelte Pulvermann als international tätiger Kaufmann zusehends ins Visier der Nazis gerät, hat Joachim Winkelmann lesenswert aufgeschrieben. MG
Joachim Winkelmann: Eduard F. Pulvermann 1882 – 1944, Books on Demand 2016, 180 Seiten, 19,95 Euro. Bezug über den Autor per E-Mail an poesel-press@hamburg.de

Einzigartiger Architekturschatz

Kontorhäuser gehören zu Hamburg wie Alster, Elbe und Michel. Kaum eine andere Stadt kann so viele bedeutende Bauten dieser Architekturgattung vorweisen. Der Bautyp entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wobei der Begriff „Kontorhaus“ erst ab 1900 allgemein verwendet wurde. Er bezeichnet ein gemeinsames Büro- und Geschäftshaus hafenabhängiger Unternehmen. Als Prototyp gilt der 1886 fertiggestellte, mittlerweile abgerissene Dovenhof des Architekten Martin Haller. Das 10.400 Quadratmeter große, innovative Gebäude verfügte über Zentralheizung, elektrische Beleuchtung und war mit einem Paternoster ausgestattet – seinerzeit der erste Umlaufaufzug in Kontinentaleuropa!
Im Zuge der Sanierung der südlichen Altstadt, die sich durch den Ersten Weltkrieg verzögerte, entstand in den 1920er-Jahren das heutige Kontorhausviertel. Die in dieser Zeit errichteten Bauten zeichnen sich durch ihre expressionistischen Formen aus, allen voran Fritz Högers 1924 fertiggestelltes Chilehaus – ein Hingucker, wie dieses wunderbar bebilderte Buch.
Ralf Lange: Das Hamburger Kontorhaus: Architektur. Geschichte. Denkmal. Hamburg 2015, Dölling & Galitz, 288 Seiten, 39,90 Euro

Klein, gelb, praktisch: Stadtführer für Kunstinteressierte

Als ein „Gemisch aus Sprödigkeit und Zuverlässigkeit, von Seltsam bis Großartig“, beschrieb der „Übervater des Hamburger Städtebaus“, der 1869 geborene Bau-direktor Fritz Schumacher, einst Deutschlands zweitgrößte Stadt. Trotz aller Veränderungen, die sich seitdem vollzogen haben, gelten seine Worte bis heute.
Der Leser erfährt kurz und bündig, wie sich Hamburg von den Anfängen – seit der Errichtung der Hammaburg – bis zur heutigen modernen City entwickelt hat. Begünstigt durch den großen Brand 1842, erhielt Hamburg früher als andere europäische Metropolen eine moderne Innenstadt mit breiter Straßenführung und großzügigen Gebäuden. Zwischen 1906 und 1933 entstanden unter der Ägide von Schumacher revolutionäre Wohnsiedlungen im akkuraten Backsteinstil inklusive Sprossenfenstern und viele öffentliche Gebäude von hoher gestalterischer Qualität. Die prägen noch heute das Stadtbild und können auf den vorgeschlagenen Rundgängen bestaunt werden.
Dirk Meyhöfer, Franziska Gevert: Reclams Städteführer Architektur und Kunst: Hamburg, Stuttgart, Reclam

Kleingebirge aus bunten Muscheln

Blankenese. Wenn der Name eines der schönsten Hamburger Stadtteile fällt, springt wohl bei jedem Hamburger, aber auch bei vielen Zugereisten, das Kopfkino an. Prächtige Villen, imposante Gärten, aber auch dörfliche Gemütlichkeit, denken die einen, während andere Begriffe wie Sommerausflug oder Kinderstrand mit Blick auf die Elbfähre assoziieren. Blankenese gehört zu den raren Orten, die auf alten Postkarten und neuen Bildern gleichermaßen dem Auge des Betrachters schmeicheln. Der atemberaubende Blick vom Süllberg auf die Elbe hat sich ebenso erhalten wie das Strandvergnügen im feinen Sand des Elbufers.
Der Anmut des urkundlich 1059 erstmals erwähnten Stadtteils waren auch zahlreiche Literaten erlegen. Hans Leip dichtete: „Ein Kleingebirg aus bunten Muscheln, / darüber dick die Wolken kuscheln. / Darunter Flaggen hin und her, / des Stromes Überseeverkehr.“
Eigel Wiese: Blankenese. Schmuggler, Strandräuber und Lotsen. Köhler Verlag, Hamburg 2015, 200 Seiten, 29,95 Euro

Generationen-WG statt Altenheim

Unsere Gesellschaft steckt mitten in einem soziodemografischen Wandel. Eine älter werdende Bevölkerung, unterschiedliche Lebenslagen und Lebensstile erfordern eine andere Gestaltung der baulichen Umwelt. Das vorliegende Buch zeigt exemplarisch Projekte für neue Wohnformen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientieren – anders als klassische Altenpflegeeinrichtungen.
Hamburg ist mit einem Beispiel aus der HafenCity vertreten. Dieser Stadtteil wird als Beispiel für eine nachhaltige Stadtentwicklung präsentiert. Das „Wohnhaus am Kaiserkai“ der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille, bestehend aus zwei eher schlichten Einzelhäusern, punktet bei den Autorinnen mit einem Gemeinschaftsraum und flexiblen Grundrissen, die unterschiedlichen Wohnbedürfnissen gerecht werden.
Christiane Feuerstein und Franziska Leeb: GenerationenWohnen: Neue Konzepte für Architektur und soziale Interaktion, München 2015, Edition Detail 2015, 136 Seiten, 55 Euro
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