„Bitte nicht lächeln!“

Alster-Photo schließt: Reinhard Sittner findet keinen Nachfolger

Von Andreas Tsilis. In Harburg sagt man „Tschüss“: Nach 43 Jahren schließt Fotohändler Reinhard Sittner sein Fachgeschäft in der Fußgängerzone aus Altersgründen. Ein Jahr hat der Inhaber von „Alster Photo“ erfolglos nach einem Nachfolger gesucht. Seine Mitarbeiter konnten oder wollten nicht. „Sich im Einzelhandel selbständig zu machen, ist nicht attraktiv genug“, sagt Sittner. In den Jahren wurde
es immer schwieriger, den Leuten das Dienstleistungsangebot
nahezubringen. Smartphone, Internet – die digitale Welt hat vieles überflüssig gemacht. Bilder werden nicht mehr entwickelt, sondern am heimischen PC oder in Drogeriemärkten ausgedruckt.
Es sei schwierig, ein solches Geschäft heute rentabel zu führen, sagt Sittner. „Ein Fotowarenladen ist wie ein Gemischtwarenladen, um Erfolg zu haben, müssen viele Dinge zusammenkommen.“ Auf die Mischung aus Handwerk, Kamerahandel und Dienstleistungen rund ums Bild komme es an. Bis in die 1980er-Jahre hat das bei „Alster-Photo“ gut funktioniert. Damals eröffnete Sittner drei weitere Filialen.
In dieser Zeit war es noch etwas besonderes zum Fotografen zu gehen, der Handel mit Filmen, Bildern und Fotoapparaten florierte.
Die Tür klingelt, ein junger Man betritt den Laden, er möchte biometrische Passbilder. Sittner erklärt worauf es ankommt, um bestimmte Vorgaben der Bundesdruckerei einzuhalten. „Bitte nicht lächeln“, sagt er schließlich – wenn es um Ausweisbilder geht, versteht der Gesetzgeber keinen Spaß. Nach wenigen Minuten kann der Kunde die Fotos mitnehmen.
Obwohl die analoge Welt der Fotografie verschwindet, gibt
es Kunden, die mit schweren Glasplatten zu Sittner kommen. Vor über 80 Jahren, wurden die Bilder darauf festgehalten. Es sind Fotos für die Ewigkeit, die noch so „frisch“ sind, wie am Tag der Entstehung.
Sittner glaubt, die traditionelle Filmentwicklung habe auch in der digitalen Welt Bestand. „Schauen Sie sich die Schallplatte an“, sagt er, „das gute, alte Vinyl gibt es noch immer.“

Alster-Photo

Früher kosteten drei Minuten Filmentwicklung 15 D-Mark (rund 7,50 Euro). Heute kostet eine 8 Gigabyte Speicherkarte mit Platz für mehrere tausend Fotos knapp 10 Euro.
Alster Photo Harburg,
Bremer Straße 2,
Tel. 77 27 07
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