Beim Fußball aufblühen

Jux am Spielfeldrand: André (22, v. l.), Jaroslaw (45) und Azat (29). Fotos: cvs
 
Veranstaltungsleiter Florian Peters zeigt schon mal die Pokale, die später überreicht werden.

Integratives Hallenturnier bei Concordia Hamburg

Von Christopher von Savigny. Toll! Der Spieler läuft über den Platz, springt in die Luft und reißt die Arme nach oben. Gerade eben hat er sein erstes Tor bei einem Fußballturnier erzielt. Mindestens 16 oder 17 Jahre alt mag der junge Mann sein, der sich jetzt von seinen Mitspielern abklatschen lässt. Er grinst über das ganze Gesicht. Der Fußballer, der sich für seinen Treffer so ausgiebig feiern lässt, hat das Down-Syndrom.
In der Sporthalle der Max-Schmeling-Stadtteilschule in Wandsbek hat der SC Concordia Hamburg zusammen mit der Lebenshilfe Hamburg und der Organisation der Special Olympics ein Fußball-Hallenturnier organisiert. Am Hallenrand ruft Spielleiter Florian Peters seine Helfer zu sich: „Achtet darauf, dass nicht zu viele Betreuer gleichzeitig auf dem Platz sind“, sagt er. Kopfnicken. „Geht klar“, sagen die Betreuer. Die Spieler mit Handicap sind in jeder Mannschaft in der Mehrheit. Die Betreuer sind dafür verantwortlich, dass der Spielfluss aufrecht erhalten bleibt und die Regeln eingehalten werden. Heute spielen sie fünf gegen fünf – plus Torwart. Spielzeit: jeweils zwölf Minuten. Acht integrative Fußballmannschaften machen mit. Sie kommen aus Wandsbek, Eidelstedt, aus Flensburg und aus Lüchow-Dannenberg. Das Motto lautet: Dabei sein ist alles!
Robin Polzin (20) arbeitet als ehrenamtlicher Trainer beim SC Concordia. Vor drei Jahren hat der Verein eine Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe vereinbart. Seither gibt es zwei neue Mannschaften mit gemischter Zusammensetzung. Spitzname: „Cordi Lebenshilfe“. Einmal wöchentlich wird trainiert. „Könnte ruhig öfter sein“, sagt Polzin. Vom Training profitieren alle – auch die Betreuer. „Anfangs haben wir sie einfach nur spielen lassen, damit sie ihren Spaß haben“, berichtet der Trainer. „Später haben wir auch ein paar Trainingseinheiten eingebaut, bei denen mehr Disziplin verlangt wird. Die Fortschritte, die sie gemacht haben, bringen einen großen Schub für das Selbstbewusstsein“, so Polzin. Überhaupt hätten sich einige der gehandicapten Kicker ganz erstaunlich gut entwickelt. Nicht nur sportlich, sondern auch menschlich. „Einer hat zum Beispiel am Anfang oft rumgepöbelt, weil er mit irgendetwas nicht einverstanden war. Heute spielt er mannschaftsdienlich und achtet auf seine Nebenleute!“
Währenddessen geht es auf dem Spielfeld mit viel Einsatz zur Sache. Mittendrin steht André (22) und puscht seine Leute nach vorne. Der Sehbehinderte kann kein grelles Sonnenlicht vertragen. „Ich bin dann fast blind“, sagt er und blinzelt mit den Augen. Gegenüber seinen schwerer behinderten Mitspielern ist er sportlich gesehen im Vorteil. Unwichtig: „Das Team ist das was zählt“, findet er. „Wir verlieren oder gewinnen gemeinsam.“ André ist begeistert davon, was seine Nebenleute mit geistigem Handicap so schaffen. „Es macht sehr viel Spaß, zusammen zu spielen!“
So ganz nebenbei können sich die Mannschaften für die Special Olympics qualifizieren. Die nächsten nationalen Spiele finden im Mai 2014 in Düsseldorf statt. Ziel der Special Olympics ist es, Menschen mit geistiger Behinderung Zugang zu möglichst viele Sportarten zu verschaffen und sie auf diese Weise besser in die Gesellschaft zu integrieren. Dabei sein ist alles: So lautet auch das Motto von Olympia. Der Wahlspruch der Special Olympics klingt etwas anders: „Lasst mich gewinnen. Doch wenn ich nicht gewinnen kann, so lasst mich mutig mein Bestes geben!“
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