Bei dieser Lesung geht die Post ab

Ausnahmsweise mal ohne Hund Locke, die „Rücken“ hat: Autor Oliver Lück (43). Foto: stahlpress medienbüro

Oliver Lück kommt mit seinen faszinierenden Flaschenpostgeschichten nach Wilstorf

Von Folke Havekost. In der Stadtbibliothek Norderstedt wird es dunkel. Meeresrauschen vom Band klingt durch die Kinderecke mit den Sitzkissen, auf denen sich 25 Zuhörer eingefunden haben, allesamt erwachsen. „Ostsee ist Postsee“, sagt Oliver Lück und beginnt, mit klarer Stimme aus seinen „Flaschenpostgeschichten“ vorzutragen. Der 43-Jährige hat im Ostseeraum über Jahre Menschen porträtiert, die über Flaschenpost miteinander verbunden sind. Sei es, dass sie papierne Botschaften ins Meer werfen; sei es, dass sie regelmäßig am Strand die geheimnisvollen Behältnisse einsammeln. „Leute, die Flaschenpost finden, gehen entschleunigter durch die Zeit“, hat Lück festgestellt: „Eine Flaschenpost kann man sehr detailreich verfassen, aber wenn man sie ins Meer schmeißt, hat man die Kontrolle abgegeben. Das macht es zu einem großen, aber auch einfachen Abenteuer.“
Das Reisen ist Passion, der Weg das Ziel. Mit seinem blauen VW-Bus (Baujahr 1991) bietet er unregelmäßig die Kurzreise „In Hamburg durch Europa an“, eine viereinhalbstündige Tour durch Orte der Hansestadt, die auf besondere Weise mit dem Kontinent verflochten sind. 35 Kilometer mit sechs Gästen, einem Fahrer, Lück und Locke, seiner Hovawart-Hündin, die gerade „Rücken hat“ und deshalb bei der Lesung in Norderstedt fehlt. Derzeit rollt der Bus über die Autobahnen, Lück tritt in dieser Woche in Leipzig, Lützen-Muschwitz und Magdeburg auf, am 17. November kommt er nach Harburg.

Auf der Website lueckundlocke.de schreibt das Herrchen „von Menschen und ihren Geschichten“, genaue, von Hektik befreite Beobachtungen in prägnanten Sätzen – etwa über den holsteinischen Tierfilmer Marc Lubetzki oder die irische Wandererzählerin Clare Murphy. „Ich will mit Menschen sprechen, die mich interessieren und von denen ich auch etwas lernen kann“, erklärt Lück seine Auswahl.
Im Sommer hat ihn ein Fernsehteam des NDR an einige Schauplätze der Ostsee und bei Lesungen begleitet. Die einstündige Sendung „Ostsee ist Postsee“ wurde Ende September ausgestrahlt.

Auf 20 Nachrichten bekam Lück drei Antworten

Bis 2007 arbeitete Lück für die Fußballzeitschrift „RUND“, den Jahrhundertkicker Lionel Messi traf er gleich dreimal zum Interview. Danach besaß Lück seinen Bus, etwas Erspartes und viel Zeit. „Da habe ich mich in den Bus gesetzt und bin monatelang gereist“, erzählt er: „Ohne Ziel, eher nach dem Motto: Mal gucken, was passiert.“ Daraus entstand sein erstes Buch „Neues vom Nachbarn“.
In Norderstedt reicht Lück ein Stück Holz durchs Publikum, Strandgut von der lettischen Küste. Die Zuhörer sind längst gebannt. In Altona erzählte er so anschaulich von Fischer Arne, dass eine Besucherin dem alten Schweden später eine rote Mütze strickte – die alte hatte der Wind verweht. Nach zwei Stunden Bildern und Geschichten bekommt Lück eine Auswahl Norderstedter Biere geschenkt: neuer Rohstoff für Flaschenpost. Auf 20 Nachrichten, die er selbst dem Meer anvertraut hat, bekam Lück bislang drei Antworten.

Oliver Lück „Flaschenpostgeschichten“

Donnerstag, 17. November, 18 Uhr, Wilstorfer Leseorte (Ort wird noch vom Eisenbahnbauverein Harburg bekannt gegeben)

❱❱ www.ebv-harburg.de
❱❱ www.lueckundlocke.de
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