Bedrohte Bienenvölker

Bei der Honigproduktion: Bienen liefern wertvollen Honig und bestäuben Obstbäume. Foto: Carsten Vitt
 
„Die Vielfalt der Honigsorten macht die Stadtimkerei für mich attraktiv“: Thomas Krieger ist seit Jahren engagierter Hobby-Imker. Foto: pr

Harburger Stadthonig ist eine rare Delikatesse vom Dach des Sozialen Dienstleistungszentrums.

Von Rachel Wahba. Am frühen Morgen ist es den Bienen noch zu frisch auf dem Dach. Sie bleiben lieber in ihrem warmen Bienenstock, anstatt über Harburg zu fliegen. In den nächsten Tagen aber, so hofft Imker Thomas Krieger, wird es wärmer und die Bienen werden aktiver.
An diesem Morgen hat Krieger ein Bienenvolk in der Segeberger Beute – so heißt die Bauart des Bienenstocks – auf das Dach des Sozialen Dienstleistungszentrums (SDZ) gebracht. „Ich habe zwei Völker hier oben wegen der Varoa Milbe verloren. Das dritte, das hier noch steht, ist auch geschwächt. Jetzt hoffe ich, dass es sich wieder erholt“, sagt der Imker aus Hausbruch.
Vielen Imkern ist es in den letzten Monaten ähnlich wie Krieger ergangen. Der vergangene Winter war zu mild, die Bienen brüteten sehr lange, teilweise noch bis in den November hinein. Die Brut bildete den idealen Nährboden für die tödlichen Milben. Ist ein Volk befallen, kann man es mit Ameisensäure behandeln. Aber, so Krieger, das funktioniert längst nicht immer. Seine beiden abgestorbenen Völker hat er nun ersetzt.

60.000 Bienen leben in einem Volk – und eine Königin

Seit 2012 hat der Hobby-Imker Bienen auf dem Dach des SDZ. Für ihn ein idealer Ort. Krieger muss weder Angst haben, dass seine Bienenstöcke durch Vandalismus zerstört werden, noch muss er Diebstahl fürchten. Außerdem hat der Techniker es von hier aus nicht weit zu seiner Arbeit bei der ContiTech im Harburger Binnenhafen. „Ich habe mich schon vor Jahren um einen Standort für meine Völker im Binnenhafen bemüht. Dort wachsen viele Kastanien, die einen tollen Honig geben. Leider fand ich dort niemanden, bei dem ich die Völker hätte aufstellen können“, sagt er. Der einzige Nachteil beim Imkern in luftiger Höhe: Der Imker kann nur während der Öffnungszeiten des SDZ zu seinen Bienen hinauf aufs Dach. „Aber damit habe ich mich arrangiert“, sagt Krieger.

Krügers friedfertige Bienen stammen aus Kärnten

Auf der Suche nach einem Standort in der Stadt kam das Projekt „Hamburg summt“ der Stiftung für Mensch und Umwelt für Krieger gerade recht. Mit ihrem Projekt wollen die Initiatoren insbesondere die Stadtbevölkerung für Wildbienen und deren Probleme in der Natur aufmerksam machen. Für das Projekt werden Imker gesucht, die ihre Bienenstöcke auf den Dächern insbesondere von Verwaltungsgebäuden der Stadt aufstellen und Stadthonig vermarkten.
Krieger hörte von dem Projekt, überlegte nicht lange, meldete sich an und brachte im Sommer vor knapp vier Jahren drei seiner Bienenvölker auf das Dach des SDZ. In einem Volk leben bis zu 60.000 Bienen und ihre Königin. Sie ist als einziges geschlechtsreifes Tier zuständig für die Nachkommenschaft.
Direkt vor ihrer „Haustür“ finden die Tiere der Rasse Carnica - eine besonders friedfertige Zucht – schon den ersten Leckerbissen: Hier oben auf dem Dach wächst Mauerpfeffer. In der näheren Umgebung steuern die Bienen Kastanien und verschiedene Pflanzen in den Grünanlagen des Bezirks an. Der alte Harburger Friedhof und der Schwarzenberg liegen in Flugnähe der Rathaus-Bienen. Der Honig, den sie hier mitten im Bezirk Harburg produzieren, gilt unter Kennern als Delikatesse.

90 Kilo Honig werden auf dem Dach produziert

Das Prinzip der Honigproduktion ist so einfach wie effektiv: Die Bienen suchen in den Blüten den Nektar, den sie aufsaugen. Den aufgesaugten Nektar bringt die Trachtbiene – Tracht heißt in der Imkersprache Blüte – zurück zum Stock. Dort nehmen die Stock-bienen, in einem Volk hat jede Biene eine feste Aufgabe, den Nektar von der Trachtbiene und geben ihn an andere Bienen weiter. Jede Biene gibt ihre Enzyme zum Nektar. Am Ende landet in den Waben der Honig, der zum einen den Bienen selbst als Nahrung dient, zum anderen aber vom Imker geerntet und weiter verarbeitet wird.
Und der Harburger Stadthonig gehe wie geschnitten Brot, sagt Krieger. Thomas Krieger: „Einen Teil der Gläser bringe ich ins Sekretariat, von dort wird er an die Mitarbeiter verkauft. 20 Gläser nimmt jedes Jahr Bezirksamtsleiter Thomas Völsch. Und den Rest verkaufe ich selbst“, sagt der Imker. Im vergangenen Jahr, so Krieger, hätten seine drei Völker auf dem Dach des SDZ rund 90 Kilogramm Honig produziert.

Ohne Bienen keine Kirschen

Auf ihrer Suche nach Nektar erfüllen die Bienen eine wichtige Aufgabe, wenn sich in ihrem Haarkleid die Pollen der Blüte verfangen. Beim Besuch der nächsten Blüte verliert die Biene ein wenig von den Pollen. Sie bestäubt also die Blüten und sorgt zum Bespiel bei Obstbäumen dafür, dass sich die Blüten zu Früchten entwickeln. Während bei Apfelbäumen auch der Wind einen Teil der Bestäubungsarbeit übernimmt, sind Kirschblüten auf die fleißigen Insekten bei der Bestäubung angewiesen – ohne Bienen und andere Insekten würden keine Kirschen wachsen.
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