Autoreisezug adé?

Aktuelles Angebot an Autoreisezügen im Fernverkehr: Dargestellt sind die Verbindungen von Deutschland aus in die südlichen Nachbarländer. Gepunktete Strecken werden nur saisonal bedient. Quelle: wikimedia.org
 
Am Check-In in der Präsident-Krahn-Straße rollt abends weiterhin der Verkehr – aber wie lange noch? Foto: cvs

Bahnhofsverlegung: Österreichische Bundesbahn erwägt Klage, wenn am Diebsteich kein neues Terminal gebaut wird

Ch. v. Savigny, Altona

Wenn im Jahr 2023 der Fernbahnhof Altona nach Diebsteich wie geplant verlegt wird, müssen Urlauber wahrscheinlich endgültig auf die beliebten Autoreisezüge nach Österreich und Italien verzichten. Denn die Deutsche Bahn (DB) will aus Kostengründen offenbar kein neues Verladeterminal bauen. Aus dem gleichen Grund hatte die DB den Betrieb der Autoreisezüge bereits im vergangenen Herbst eingestellt.
Hohe Betriebskosten bei gleichzeitig stagnierenden Einnahmen hatten zu dem Entschluss geführt. Zwar gibt es mehrere private Anbieter, die den PKW-Transport ab Altona aufrechterhalten – doch in spätestens sechs Jahren dürfte damit Schluss sein.

Derzeit suchen ÖBB und DB Netz AG nach einer Lösung

Betroffen sind unter anderem die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die mehrmals wöchentlich Fahrten nach Wien und Innsbruck anbieten. Ein von den ÖBB beauftragter Rechtsanwalt hatte letztes Jahr bei einer Anhörung im Altonaer Rathaus mit Klage gedroht. „Da die damaligen Planungen keine Autoverlademöglichkeit vorgesehen haben und die ÖBB dadurch wirtschaftlich negativ betroffen wären, haben wir Einspruch erhoben“, sagt ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder auf Anfrage des Elbe Wochenblatts. „Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit der DB Netz AG zur Lösungsfindung und Erörterung von Alternativen.“
Autoreisezüge haben in Hamburg Tradition: Schon in den 1930er-Jahren rollten die ersten Waggons über die Gleise in Richtung Süddeutschland, Schweiz, Österreich und Italien. Aktuell teilen sich drei Privatfirmen das Transportgeschäft: Neben den ÖBB sind das der „UrlaubsExpress“ (UEx), der jeweils einmal pro Woche nach München, Villach und Verona unterwegs ist, sowie das Nürnberger Unternehmen BahnTouristikExpress (BTE) bis zu vier Abfahrten wöchentlich nach Lörrach im Programm hat. BTE möchte sein Angebot unbedingt aufrechterhalten: „Wir haben jetzt kräftig investiert und wollen das auf jeden Fall fortsetzen“, sagt Geschäftsführer Matthias Wolf. Die DB möchte sich zu dem Thema noch nicht endgültig äußern: „Derzeit laufen Gespräche mit potentiellen Anbietern. Erst danach können verlässliche Aussagen getroffen werden“, so DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis.

Autoreisezug:
Mit insgesamt sechs Zugverbindungen ist Hamburg-Altona in Sachen PKW-Transport deutschlandweit einer der Marktführer. Während die ÖBB ganzjährig unterwegs sind, reduziert BTE das Angebot im Winter auf einmal pro Woche. Der UrlaubsExpress UEx fährt in der kalten Jahreszeit gar nicht. Die Anzahl der Mitnahmeplätze schwankt je nach Saison und Firma zwischen 36 (ÖBB) und 70 (BTE). Anstelle eines Autos können bis zu drei Motorräder transportiert werden. Offenbar kommt der Autoreisezug gut an: „Wir hatten bisher 50 bis 60 Prozent Auslastung, aber auch schon Tage, an denen wir völlig ausverkauft waren“, sagt Matthias Wolf, dessen Unternehmen BTE erst seit letztem Dezember für die Strecke zuständig ist. Für den Sommer rät Wolf: „Rechtzeitig buchen!“ Die BTE-Züge verfügen über Schlaf- und Liegewagenplätze, sowie über ein Restaurant und ein Bordbistro. Dauer der Reise nach Lörrach: etwa zwölf Stunden plus ein bis zwei Stunden Verladezeit. CVS
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.