Auf Spurensuche im SeeveViertel

Klaus Möller (r.) und Klaus Barnick, Ehrenamtliche der Initiative Gedenken in Harburg, bringen die Messingplatten der Stolpersteine, die mit ihren Inschriften an die Opfer des NS-Regimes erinnern, wieder zum Glänzen. Foto: Möhle

Die Initiative Gedenken in Harburg kümmert sich auch um die Stolpersteine im SeeveViertel

Von Almut Möhle. Sie sind ein eingespieltes Team: Fast gleichzeitig und ziemlich locker gehen in der Rieckhoffstraße zwei Männer in sportlicher Freizeitkleidung vor dem Adese Markt in die Knie. Einer holt aus einem Beutel eine Flasche Putzmittel, der andere angelt aus seinem Rucksack ein paar Lappen. Dann beginnen sie Seite an Seite fünf Gedenksteine auf dem Gehweg zu reinigen. Einige Passanten bleiben neugierig stehen und beobachten, wie die Stolpersteine von Klaus Möller und Klaus Barnick wieder zum Glänzen gebracht werden.
Es handelt sich um Betonwürfel mit einer Kantenlänge von jeweils zehn Zentimetern, die auf ihrer Oberseite eine Messingplatte mit Namen und Lebensdaten tragen und in das Pflaster eingepasst sind. „Und zwar dort, wo NS-Opfer ihren letzten selbst gewählten Wohnsitz hatten. Sie sollen die Vorübergehenden mit den Augen zum Stolpern, Stutzen und dann zum Nachdenken anregen“, sagt Möller. Die beiden Pensionäre gehören der Initiative Gedenken in Harburg an. Jeder mattgoldene Kubus erinnert an einen Menschen, der durch das NS-Regime verfolgt und zu Tode gekommen ist. „Die Opfer wurden ermordet, weil sie Juden, politisch Andersdenkende, Behinderte, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Sinti oder Roma waren“, ergänzt Barnick. „Auch dies gehört zum SeeveViertel und seiner Geschichte.“ .

180 Stolpersteine gibt es im Hamburger Süden.

Bisher wurden von den seit 2.000 europaweit verlegten Erinnerungsplaketten sind 180 im Hamburger Süden in Gehwege eingelassen. 20 davon gibt es im SeeveViertel. „In jedem Frühjahr organisieren wir Putzaktionen, denn die Stolpersteine laufen mit der Zeit an“, sagt Klaus Barnick. „Was uns besonders freut, ist, dass es doch immer wieder welche gibt, die von den Anwohnern gepflegt und in Ehren gehalten werden.“
Ehrenamtliche wie Möller und Barnick widmen einen Gutteil ihrer Zeit der Recherche und beschäftigen sich mit den Einzelschicksalen der NS-Opfer als ein Zeichen gegen das Vergessen. „Es ist eine biografische Spurensuche“, so Barnick. Informationen finden sie in Archiven, Büchern und Akten, aber auch durch Gespräche mit Angehörigen, die manchmal Briefe sowie Fotos zur Verfügung stellen, und – ganz selten noch – durch Zeitzeugen.

Hamburger Stolpersteine

Die Stolperstein-Projekte gehen auf die Idee des Kölner Bildhauers Gunter Demnig zurück. Er fertigt die Gedenksteine, graviert die Inschriften und passt sie in die Gehwege ein. Ein Stolperstein kostet 120 Euro und wird durch Privatpersonen oder Initiativen finanziert.
Am 18. Juli wird der Kölner Künstler acht weitere Stolpersteine in Harburg verlegen, die am 18. September auf einer Gedenk- und Informationsveranstaltung um 11 Uhr im Haus der Kirche offiziell enthüllt werden.
www.gedenken-in-harburg.de
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