Auf den Spuren der Harburger Geschichte

Neue Einblicke in Harburgs Historie: Ingrid Sellschopp (2. v. r.) erklärt ihren Gästen Wolfgang und Elke Hechel (v. l.) und Renate Lemke das Entwässerungsprinzip des alten Harburger Binnenhafens. Foto: rw
 
Ein Blick in den Westlichen Bahnhofskanal zeigt, wie im Harburger Binnenhafen alte und neue Architektur zusammen gehören. Foto: rw

Mit Gästeführerin Ingrid Sellschopp unterwegs im Binnenhafen

Von Rachel Wahba. Die anderen Gästeführer konnten nicht glauben, was sie von Ingrid Sellschopp hörten. „Ich habe damals immer nur ein müdes Lächeln von meinen Kollegen geerntet, wenn ich vorschlug, auch Stadtrundgänge in Harburg zu installieren“, sagt die ausgebildete Dolmetscherin für Englisch und Französisch. Erst mit der Entwicklung des Binnenhafens konnte sie ihre Kollegen vom Sprung über die Elbe überzeugen. Sellschopp arbeitete 1990 die ersten Rundgänge für den Bezirk südlich der Elbe aus. Das Interesse an den Führungen war groß. Inzwischen sind acht Gästeführer in Harburg auf verschiedenen Touren unterwegs. Sellschopp: „Unser Anliegen ist es, die Hamburger jenseits der Elbe für diesen interessanten Teil der Stadt zu begeistern.“
An diesem Märzmorgen überqueren sechs Teilnehmer den Westlichen Bahnhofskanal. Gäs-teführerin Ingrid Sellschopp erklärt ihnen, dass die Kanäle im Binnenhafen angelegt wurden, um das Gebiet zu entwässern. So konnte es bebaut werden. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich der Harburger Binnenhafen zum bedeutendsten Standort für den Umschlag von Öl und Gummi. Erst in den 1950er-Jahren verlor der Hafen rasant an Bedeutung und verkam zur Industriebrache. Sein Wahrzeichen wurde der beißende Gestank der damals noch arbeitenden Ölraffinerien. Heute stinkt es längst nicht mehr im Binnenhafen.
Die Gruppe geht weiter zum Kanalplatz, einst der zentrale Platz des alten Binnenhafens – bis zum Zweiten Weltkrieg. Hier standen Gasthäuser und Hotels, von hier legten Schiffe ab. Hier wurden sie beladen, geliefert wurde auf Schienen und per Kutsche. Vom einstigen großen Harburger Güterbahnhof ist kaum noch etwas zu sehen. Vom Kanalplatz setzten die Fähren nach Hamburg über. Einer der prominentesten Fährgäste, weiß Sellschopp zu berichten, sei der große deutsche Dichter Heinrich Heine gewesen. „Ihm haben wir zu verdanken, dass Harburg in der Weltliteratur erscheint. In seinem Buch ‚Deutschland. Ein Wintermärchen‘ beschreibt Heine seine Überfahrt von Harburg nach Hamburg“, erzählt sie. Ihre Gäste sind beeindruckt. Zwei ältere Harburgerinnen, die an diesem Freitag mit Ingrid Sellschopp durch den Binnenhafen spazieren, erinnern sich daran, dass hier früher die Straßenbahn Linie 11 hielt.
Am Flüchtlingsschiff legt die Gästeführerin einen kurzen Stopp ein. „Ich bin stolz auf Harburg, weil sich hier eine wirkliche Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen entwickelt hat“, sagt Ingrid Sellschopp.
Am Ende dauerte der Rundgang durch den Harburger Binnenhafen dann doch etwas länger als die angekündigten zwei Stunden. Aber die Gäste sind zufrieden. Die investierten zehn Euro haben sich in jedem Fall gelohnt.

Stadtrundgang

Für Sonnabend, 11. April, lädt Tour Guide und Erfinderin der Harburger Stadtrundgänge, Ingrid Sellschopp, wieder auf Entdeckungstour durch den Harburger Binnenhafen ein. Treffpunkt ist die Bushaltestelle der Linien 142/154 an
Veritaskai/Ecke Schellerdamm um 16 Uhr. Die zweistündige Tour kostet zehn Euro pro Person, Kinder zahlen die Hälfte.
www.hamburger-touren.de
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