Aschenbecher aus geheimen Schubladen

Der Harburger Flaneur über ein famoses Fachgeschäft.

Fachgeschäfte sind was Feines. Nun weiß jeder, dass sie aussterben.
Wir Kunden haben es in der Hand. Wir können unsere Kaufkraft zum Fachgeschäft tragen, wenn wir wollen. Nur so können die Fachgeschäfte gerettet werden, nur so werden sie nicht plattgewälzt von den Giganten.
Ein kleines Fachgeschäft, das der Flaneur sehr liebt, liegt versteckt in einer Ecke des Phoenix-Centers. Es ist Wolsdorff.
Richtig ist, dass Wolsdorff mehrere Filialen hat. Es ist aber nichtsdestoweniger ein Fachgeschäft, wo viele der Angestellten (leider nicht alle – den Himmel auf Erden gibt es nicht) sich exzellent mit Tabakwaren auskennen. Auch Wolsdorff muss Kompromisse machen – wie soll der Laden sonst überleben? So kann man die dämliche „Mopo“ dort kaufen, und leider die noch viel dämlichere „Bild“-Zeitung“. Wenn man total verrückt ist, kann man dort auch Lotto spielen.
Aber die höheren Weihen schützen sich bekanntlich selber. Dringt der Kunde zum Kerngeschäft durch, kann er sich herrlich beraten lassen. Das Sortiment kann sich wirklich sehen lassen.
Der Harburger Flaneur raucht gerne ab und zu seine Pfeife. Nun ist sein Aschenbecher heruntergefallen und in 1.000
Stücke kaputtgegangen. Leicht zu ersetzen ist er nicht. Schließlich hatte er einen Korkaufsatz, auf dem der Flaneur die Pfeife ausklopfen konnte, ohne ihr Holz zu beschädigen.
Schon mehrere Händler haben ihm gesagt, dass es solche Aschenbecher nicht mehr gibt. Der junge, adrett in Anzug, gebügeltem Hemd und Schlips angezogene Fachverkäufer bei Wolsdorff aber nicht: Er holt einen Schlüssel, schließt eine geheime Schublade auf, und da liegen sie in Reih und Glied, genau die Aschenbecher, die unser Flaneur sucht.
Will der Flaneur gelegentlich eine Zigarre rauchen, ja, dann erzählt ihm der junge Mann, welche wie schmeckt und wie teuer sie ist. Sein Rat ist immer sachkundig, immer zutreffend.
Und will man gar eine größere Anschaffung wagen, (ein
schickes Feuerzeug, eine neue Pfeife), dann breitet der junge Mann eine Augenweide an Möglichkeiten aus. Wo er die alle her hat? Vielleicht gibt es im Phoenix-Center versteckte Kellerräume, wo solch wundersame Vorräte aufbewahrt werden können.
Wie dem auch sei, solche Fachgeschäfte heben die Lebensqualität in Harburg deutlich. Lang mögen sie überleben!

Kolumne: Regelmäßig schreibt der Harburger Flaneur im Elbe Wochenblatt am Wochenende. Unserem Spaziergänger fällt einiges auf: In dieser Woche berichtet er aus der wunderbaren Welt der Fachgeschäfte
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Klaus Bendzko aus Harburg | 15.06.2014 | 22:34  
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