Arbeiten

Kolumne: Dem Harburger Flaneur fällt einiges auf …

Vom Harburger Flaneur. Für die englischen Landsleute des Flaneurs ist Arbeit ein unvermeidbares Übel. Man tut soviel davon wie nötig, dann hört man auf.
Es ist klar, dass eine Wirtschaft, bevölkert mit Menschen, die eine solche Einstellung haben, nicht besonders erfolgreich sein kann. Bekannterweise ist die englische Wirtschaft nicht besonders erfolgreich.
Zur Arbeit haben deutsche Menschen ein ganz anderes Verhältnis. Sie können nicht genug davon haben. Sie arbeiten ... und arbeiten ... und arbeiten, als ob ihr Selbstwert von Menge und Qualität ihrer Arbeit abhängen würde. Es ist klar, dass eine Wirtschaft, bevölkert mit Menschen, die eine solche Einstellung haben, ganz besonders erfolgreich sein wird. Bekannterweise ist die deutsche Wirtschaft ganz besonders erfolgreich.
Von Autos versteht der Flaneur kaum was, aber genug, um sich im Klaren zu sein, dass die deutsche Autoindustrie die besten der Welt baut. Wir müssen nur die Namen BMW, Mercedes, VW und Porsche nennen.
Und englische? Nun ja, eine Massenautoproduktion gibt es in England seit Jahren nicht mehr. Austin und Morris gehören der Vergangenheit an. Spartenautos wie Jaguar und Bentley gibt es noch, die Firmen sind aber nicht mehr in englischer Hand.
„Bloody-mindedness“ ist eine englische Eigenschaft. Bloody-mindedness heißt gegen alles sein, was von oben kommt. Es ist das Gegenteil von dem Obrigkeitsgehorsam, das vielleicht in ein paar deutsche Köpfe noch spukt.
Als Teenager saß der Flaneur am Abendessentisch mit seiner Familie in einem Vorort von Südlondon und hörte jeden Tag die gleichen Nachrichten: British Leyland, Hersteller von Austin und Morris, wurde wieder bestreikt.
Die Gewerkschaften waren, „bloody-minded“ wie sie waren, in Kamikazeflug. Ihre destruktive Taktik konnte nur ein Ergebnis herbeirufen: den Tod der englischen Autoindustrie. Den haben sie mit Erfolg bewirkt.
Wir müssen es so schlicht aussprechen: durch die verschiedenen Einstellungen zur Arbeit ist Deutschland ein
reiches Land und England ein armes.
Trotzdem meckern die Deutschen. Sie meckern, sagt man zu Recht, auf einem sehr hohen Niveau. Sie scheinen gar nicht zu wissen, wie gut sie es haben.
Was sah der Flaneur dagegen bei einem kürzlichen Englandbesuch? Häuser, die dringend einen Anstrich bräuchten, Busse aus der Steinzeit, ein chronisch unterfinanziertes Gesundheitssystem, die Straßen reparaturbedürftig – und eine Bevölkerung, die die Schulter zuckt und so tut, als ob das Gottes Wille wäre und nicht zu ändern.
Allerdings hat die deutsche Meckerei tiefere Ursachen, denn zu dem Arbeitswillen deutscher Menschen gehört, nach Beobachtung des Flaneurs, so etwas wie ein Perfektionismus, das heißt das Gefühl, die vollbrachte Aufgabe ein nächstes Mal immer besser erfüllen zu können.
Mehr deutsch-englischer Austausch in der Zukunft wäre sehr zu wünschen. Die Vorzeichen sind gut, denn die hässliche Deutschfeindlichkeit der englischen Boulevardpresse gibt es fast nicht mehr.
Frau Merkel mit Hitlerschnurrbart gehört, Gott sei Dank, endlich der Vergangenheit an.
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