Spielend ankommen

Spielerisch Deutsch lernen bei Memory und Backgammon: Die Ehrenamtlerinnen Anneliese Kietzmann (M.) und Susanne Otto von der Luruper Willkommens-Initiative mit den Bewohnern Mojtaba, Mohammed, Ali, Muhammed und Fesal (v.l.) im Willkommenscafé in der Folgeunterkunft in der Luruper Hauptstraße 11. Fotos: langenbach
 
Ehrenamtliches Engagement: Anneliese Kietzmann (58).

Lurup: Wie Ehrenamtliche Flüchtlingen helfen,
sich im Stadtteil zurechtzufinden

Maren Langenbach, Lurup

„Ist Memory nicht etwas für Kinder?“, fragt Mojtaba (30) und grinst, während er die Karten auf dem großen Tisch vor ihm verteilt. Auch Muhammed, Ali, Mohammed und Fesal haben Platz genommen. Die Männer aus dem Iran und aus Syrien kommen gern in das Willkommenscafé ihrer Flüchtlingsunterkunft in der Luruper Hauptstraße 11. Es ist ein Treffpunkt, um sich auszutauschen. Sie trinken Tee zusammen, essen Kekse, plaudern, spielen Brettspiele.
„Ich finde das Café super, weil wir in unseren Deutschkursen am Vormittag viel Deutsch schreiben lernen, hier müssen wir aber miteinander sprechen“, erzählt Fesal (20) aus Syrien. „Und weil wir alle aus unterschiedlichen Ländern kommen, müssen wir Deutsch reden – sonst können wir uns nicht verstehen. Und das ist gut.“
Organisiert wird das Ganze von der „Willkommens-Initiative“, die sich im Mai 2016 in der Luruper Auferstehungsgemeinde gegründet hat. Anneliese Kietzmann und Susanne Otto sind von Anfang an dabei. Zusammen mit anderen Ehrenamtlern engagieren sich die 58- und 55-jährigen Luruperinnen in der Flüchtlingshilfe, bieten Spielenachmittage, Computerkurse oder Sportaktivitäten an.
„Der Sport ist mein Part“, erklärt Susanne Otto, Übungsleiterin und Integrationsbeauftragte im Sportverein Lurup. „Die Angebote werden von den Menschen hier sehr gern angenommen, denn Sport spielt hier eine große Rolle. Allerdings mangelt es oft an der richtigen Kleidung – da würden wir uns sehr über gespendete Sportsachen freuen.“
Insgesamt sind es 20 Ehrenamtliche, die sich in der Willkommens-Initiative engagieren. „Und jeder bietet den Geflüchteten Hilfe in dem Bereich an, den er selbst am besten beherrscht. Über weitere Mitstreiter, zum Beispiel für den Spracherwerb und als Begleitung zu Firmen und Wohnungsgenossenschaften, würden wir uns sehr freuen“, erklärt Anneliese Kietzmann, während sie anfängt, nach und nach Mojtaba und den anderen Männern die deutschen Bezeichnungen für die Tiere, die auf den Memory-Karten abgebildet sind, zu erklären. Die Stimmung ist heiter, alle duzen sich, und plötzlich ist der Gedanke, das Spiel könnte nur was für Kinder sein, ziemlich egal.

Mitmachen
Die Willkommens-Initiative in Lurup freut sich über weitere Engagierte. In diesen Bereichen wird Unterstützung benötigt:
– Deutsch unterrichten
– Sportkurse anbieten
– Begleitung der Flüchtlinge zu Wohnungsgenossenschaften
– Unterstützung durch Firmen, die Praktika anbieten
– Planung eines wöchentlichen Kochtermins
– eigene Kurse/Angebote, die das Programm der Willkommens-Initiative erweitern
Kontakt per E-Mail:
willkommenscafe@unser-
lurup.de oder über das Stadtteilbüro unter S 280 55 553; das Café in der Folgeunterkunft von „fördern und wohnen“ in der Luruper Hauptstraße 11 befindet sich im Sozialcontainer und ist montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr, sowie von 16 bis 18 Uhr geöffnet.
❱❱ www.willkommen.unser-lurup.de

„Wir bekommen so viel zurück“
Im Porträt: Anneliese Kietzmann von der
Willkommens-Initiative in Lurup

„Dass ich helfen wollte, war für mich sofort klar“, sagt Anneliese Kietzmann über die Anfänge ihres Engagements für geflüchtete Menschen in Hamburg. Doch eigentlich mag die 58-Jährige mit den kurzen Haaren und der ruhigen Art gar nicht so viel Aufhebens machen um ihre Person oder ihr Ehrenamt. Für sie, die im Hauptberuf als Kinderkrankenschwester im Altonaer Kinderkrankenhaus arbeitet, ist ehrenamtliche Arbeit selbstverständlich.
In der Luruper Emmausgemeinde, aus der sie kommt, engagiert sie sich in der Eine-Welt-Gruppe, mit der sie, zusammen mit anderen, eine Gemeinde in Tansania unterstützt. In der Flüchtlingshilfe startete Anneliese Kietzmann mit der Arbeit in der Kleiderkammer, bevor sie vor fast einem Jahr in das Willkommenscafé wechselte. „Meine Eltern waren selbst Flüchtlinge, die nach Hamburg kamen. Flucht war stets ein Thema in unserer Familie. Damit bin ich aufgewachsen.“ Einmal die Woche, an ihrem freien Tag, kommt sie hierher – wenn niemand aus der Initiative Zeit hat, auch öfter. Dann kocht sie Tee, legt Bücher und Spiele bereit, stellt Teller mit Keksen auf den Tisch. Und die Bewohner nehmen das Angebot gern an.
Genau wie die übrigen Mitstreiter der Willkommens-Initiative kommt auch Anneliese, wie sie hier von allen genannt wird, sehr gut an. Mit ihrer ruhigen Art hilft sie bei Sprachproblemen, tritt gegen die Männer beim Tischkicker an, oder spricht auch mal ein ernstes Wort mit den Bewohnern, wenn diese im Türrahmen lehnend rauchen, weil es ihnen draußen zu kalt ist.
„Die Geflüchteten begegnen uns Älteren mit großem Respekt“, erzählt Anneliese Kietzmann über ihre Beziehung zu den Camp-Bewohnern. „Und durch ihren Dank geben sie mir und meinen Mitstreitern so viel zurück.“
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