Der Spielhölle entkommen

Hans-Peter Stahl (l.) und Martin Witte von der AWO-Fachstelle Glücksspielsucht warnen insbesondere vor den Gefahren privat betriebener Glücksspielautomaten. Foto: sg
Halstenbek: AWO-Suchtberatung |

Suchtberater der AWO warnen vor Glücksspiel und neuem Gesetz

von Sverre Gutschmidt

Auch wenn Alkoholismus die verbreitetste Suchtform ist, hat Glücksspielsucht große Auswirkungen: „die höchste Beschaffungskriminalität, Schulden bis in den sechsstelligen Bereich und weite Auswirkungen auf die Familien bis hin zur Existenznot“, warnt Martin Witte, Mitarbeiter der Fachstelle Glücksspielsucht der AWO am Papenmoorweg 2.
Schleswig-Holstein belegt bundesweit den zweiten Platz bei Glücksspielautomaten: Auf 294 Einwohner kommt einer. Die AWO informiert daher verstärkt über die Gefahren der Sucht, aber auch über die Schwachstellen im neuen Glücksspielgesetz. Hans-Peter Stahl, Geschäftsbereichsleiter Psychosoziale Dienste der AWO, fürchtet eine „starke Liberalisierung“ und: „Diese Automaten sind im neuen Gesetz gar nicht erfasst, sie zählen nicht als Glücksspiel, sondern als Teil der Unterhaltungsindustrie.“
Hans-Peter Stahl kritisiert zudem: „Wir hätten uns gewünscht, dass auch die Suchtarbeit im neuen Gesetz erwähnt wird, zumal das Land die Mittel dafür jüngst um 15 Prozent gekürzt hat.“ Da das Gesetz Automaten unbeachtet lässt, fürchten die Suchtberater neue Probleme. „Ein 17-Jähriger ging beispielsweise in diesen privaten Spielhallen ein und aus, obwohl seine Sucht dort bekannt war. Ich riet den Eltern zur Anzeige“, so Witte.
Sozialpädagoge Witte und Hans-Peter Stahl wissen aus der Suchtberatung, dass gerade die „Daddelhallen“, privat betriebene Spielhallen, für den Großteil der Spielsüchtigen zur Falle werden. Wie viele Menschen er in Schenefeld schon beraten hat, kann Witte nicht sagen, wohl aber: „Die Sucht geht durch alle sozialen Schichten, Hartz-IV-Empfänger machen rund 14 Prozent aus.“ Er und Hans-Peter Stahl wissen zudem: „Am Ende des Glücksspiels herrscht oft tiefe Niedergeschlagenheit bis zur Suizidgefahr.“
Auch aus Lurup und anderen Teilen Hamburgs wenden sich Hilfesuchende, meist Angehörige, an die Beratungsstelle. Dort trifft sich wöchentlich die Selbsthilfegruppe „Spielhölle“. Die Schenefelder Arbeit gegen Glücksspielsucht finanziert das Land mit 18.500 Euro im Jahr, die anderen Aktivitäten der Beratungsstelle der Kreis Pinneberg. Gut ein Prozent der Bevölkerung ist laut AWO glücksspielsüchtig, ein weiteres Prozent gefährdet.
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