Zeltdorf Stresemannstraße: Wir wollen selbstbestimmt leben!

 

Sozialausschuss und Bewohner der Brachfläche Stresemannstraße Ecke Kieler Straße suchen nach einem Kompromiss

Am vergangenen Dienstag hat der Sozialausschuss der Bezirksversammlung Altona über den Verbleib der Bewohner der Brachfläche des ehemaligen BMW-Geländes beraten, die dort seit zwei Jahren in Zelten und Hütten leben. Eingeladen waren auch fünf Vertreter der Gruppe.

Dabei wurde deutlich, dass die Wünsche beider Parteien weit auseinander liegen: Während die Sprecherin der Punks, Malou (20), betonte, dass die Gruppe gemeinsam an einen Ort ziehen wolle, an dem sie ein selbstbestimmtes Leben führen könnten, zielt der Bezirk auf Sicherheit durch Container: „Wir können nicht riskieren, dass jemand erfriert oder beim Versuch, mit Feuer zu heizen, an Kohlenmonoxidvergiftung stirbt. Was nicht funktionieren wird, ist, dass eine Fläche zur Verfügung gestellt wird und da wieder Hütten gebaut werden“, so Mark Classen, baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Dabei ist die Gruppe bereit, ihren angestammten Platz zu verlassen, auf dem der Besitzer, die Hanseatic Holding AG, ein Studentenheim und Wohnungen bauen möchte, obwohl sie dort in mühevoller Eigenarbeit ihre Behausungen errichtet haben. „Hauptsache, wir können dann dort bleiben. Aber wir wollen nicht nur in Containern leben. Manche möchten gerne einen Bauwagen aufstellen, andere wieder Hütten bauen. Wir brauchen die Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben“, sagt Malou. Doch darauf lässt sich Classen nicht ein: „Man kann Container auch bunt anstreichen.“

Dagegen kommt die Suche nach einem passenden Ort für die etwa 20 Obdachlosen anscheinend in Fahrt. Zur Diskussion stehen vier momentan ungenutzte Flächen: Ein Gelände zwischen den Autobahnabfahrten Othmarschen und Bahrenfeld sowie die Fläche an der Behringstraße, auf der das Wellnessresort „Aqua Fit“ einmal vorhatte, ein Hotel zu errichten, haben beide keine Anschlüsse für Wasser und Strom. Auf zwei ehemaligen Tennisplätzen hinter dem Kleingartenverein am Kielkamp wäre das kein Problem, Classen befürchtet aber keine gute Akzeptanz der Anwohner. So bleibt als Favorit der Bezirksverwaltung die ehemalige Schießanlage der Polizei im Schulgartenweg. Hier sind sogar sanitäre Anlagen vorhanden, die noch anschließbar wären und auch mehrere Räume, die benutzt werden könnten. Malou: „Wir würden gerne wissen, ob es ein Gutachten über die Gesundheitsgefährdung auf dem Schießplatz gibt. Ein bisschen Kontaminierung finde ich gar nicht so schlimm aber wenn wir uns Sorgen um unsere Gesundheit machen müssen, möchten wir da nicht hin.“ Tatsächlich ist ihre Angst nicht unbegründet: Schon seit 1870 wurde das Gelände schon als Truppenübungsplatz genutzt. Ein Gutachten der Umweltbehörde liegt bereits vor, konnte dem Ausschuss bis Dienstag allerdings nichts ausgehändigt werden. Außerdem sei angedacht „den Kampfmittelräumdienst da nochmal drüber laufen zu lassen um zu gucken, wo was rumliegt“, so Classen. Denn geplant sei, eine Sport- und Erholungsanlage zu errichten. „Das ist der Plan. Aber über den Winter wird da nichts passieren.“ Außerdem könne man den Wohnbereich der Punks ja auf einen Bereich beschränken, den der Kampfmittelräumdienst schon freigegeben habe oder wie im Falle des Flüchtlingscamps in der Schnackenburgsallee, 30 cm Sand auf den Boden kippen.

Finanziert werden soll das Ganze von Stiftungen, die sich für die Obdachlosenhilfe einsetzen, eventuell mit Unterstützung der BASFI. Und das könnte der Trumpf in der Hand der Bewohner sein: „Es nützt ja nichts, wenn wir Geld in die Hand nehmen und Arbeitskraft im Amt binden für ein Projekt, was dann von den Menschen nicht akzeptiert wird. Dann können wir das auch sein lassen“, merkte Ingo Lembke (GRÜNE) an. „Der Charme liegt doch für die jungen Leute darin, dass sie selber was tun können.“ Und Malou versichert: „Unsere Hütten sind bestimmt stabiler gebaut als einige Hütten in Schrebergärten. Das kann auch gern überprüft werden. Wir hängen auch in jede Hütte ‘nen Feuerlöscher. Aber wir wollen zumindest die Chance bekomme, in einem selbstbestimmten Lebensraum zu wohnen.“

Der Sozialausschuss verwies das Thema mit einigen Vorschlägen an den Hauptausschuss zurück, der am kommenden Donnerstag tagen wird.
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