Sülldorfer Landstraße führt über Gräber hinweg

Was wie ein verlassener Kinderspielplatz aussieht, ist eine originalgetreue Nachbildung der Gräber aus der vorrömischen Eisenzeit, die nördlich, südlich und direkt unter der Sülldorfer Landstraße gefunden wurden.

Gräber stammen aus der vorrömischen Eisenzeit.

Von Karin Istel.
Die Sülldorfer Landstraße ist eine der meist befahrenen Straßen Hamburgs. Kaum einer weiß, dass die Straße zwischen dem Sülldorfer Mühlen- und Kirchenweg über Gräber führt. Auch etwas weiter nördlich, entlang der Bahntrasse liegen Gräber, genau wie östlich des Mühlenweges.
„Die Gräber stammen aus der vorrömischen Eisenzeit. Die dauerte von 1.300 bis Christi Geburt. Die Gräber konnten auf die Zeit zwischen 500 und 300 vor Christi Geburt datiert werden“, erklärt Dr. Elke Först. Sie ist Leiterin der Bodendenkmalpflege im Archäologischen Museum Hamburg, dem Helms Museum. „Unter der heutigen Sülldorfer Landstraße war westlich der Kreuzung mit dem Sülldorfer Kirchenweg sogar ein Grabhügel.“
In dem Museum für Archäologie und Hamburger Geschichte, das in Harburg steht, hat man sich mit den Gräbern eingehend beschäftigt. „Sie sind sehr früh ausgegraben worden, in etwa 1881 bis 1883“, erklärt Först. „Damals gehörte Sülldorf noch nicht zu Hamburg, und es gab noch keine staatliche Denkmalpflege. Gebildete Leute gruben die Gräber in ihrer Freizeit aus.“ Dabei ließen sie Sorgfalt walten. „Die Fundstellen wurden genau eingemessen. Außerdem wurde ein Grabungsplan angelegt“, lobt Dr. Först. Der Grund: „Die Ausgrabenden waren von der Antike begeistert.“
420 erhaltene Urnen wurden vom Sülldorfer Lehrer Caspar Hinrich Fuhlendorf (1844-1903) ausgegraben. „Der Friedhof war sicherlich größer. Denn wir vermuten, dass in der Nähe eine Siedlung war“, so Först. „Der Fund ist bedeutend für Hamburg. Aus dieser Zeit haben wir nicht so viele Friedhöfe.“ In der vorrömischen Eisenzeit wurden die Toten meistens verbrannt. Die zurückbleibenden Knochen füllte man in ein Totengefäß. Als Grabbeigabe legte man Schmuck und Geräte mit in die Grube. Anschließend wurden die Gräber mit Steinen umpflastert. Die Grabbeigaben stiftete Fuhlendorf dem Museum für Altertümer in Kiel. Heute können diese im Schloss Gottdorf besichtigt werden.
Inzwischen sieht man auf dem Rasenstück am S-Bahnhof Sülldorf noch ein paar Gräber. „Sie wurden ungefähr 1996 nachgebaut, um an die ursprünglichen Gräber zu erinnern“, so die Bodendenkmalpflegerin.
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