Kein Saal mehr für die Steenkamper?

In diesem Saal treffen sich die Steenkamper seit knapp 90 Jahren, um Entscheidungen für die Siedlung zu besprechen. Damit könnte bald Schluss sein. (Foto: pr)

Saga/GWG will Miete, die der Siedlerverein nicht aufbringen kann – nach 90 Jahren würden sie ihren Treffpunkt verlieren

Von Karin Istel, Bahrenfeld

Die Steenkamper haben Angst - Angst, ihren Saal in der Siedlung nicht mehr nutzen zu können. Der Vertrag läuft Ende des Monats aus. Die Saga/GWG will dann 13.000 Euro Miete pro Jahr. Geld, das die Steenkamper nicht haben.

Wer sind die Steenkamper?
Die Siedlung Steenkamp wurde ab den 1920er-Jahren in Bahrenfeld gebaut. Heute gibt es hier in etwa 750 Haushalte. „Gut die Hälfte der Haushalte ist Mitglied im Verein „Die Steenkamper“, Tendenz steigend“, sagt die Zweite Vorsitzende Silke Faber. Mitten in der Siedlung gibt es einem großen Saal, wo sich die Siedler treffen können und zahlreiche Aktivitäten für Flüchtlinge laufen. Eigentümerin des Hauses ist die Saga/GWG.

Warum ist der Saal so wichtig für die Steenkamper?
Er ist das „Herz“ der Siedlung: Extra für die Siedler eingerichtet, treffen sie sich hier zum Feiern, halten Versammlungen ab und stellen soziale Angebote auf die Beine, beispielsweise Deutschkurse für Flüchtlinge oder Skatnachmittage für Senioren.
Können die Siedler den Saal nicht mehr nutzen, fällt dies alles weg. „Ohne Saal ist nachbarschaftliches Engagement nicht möglich“, ist sich Steenkamper Thomas Schusterius sicher.

Wo liegt das Problem?
Die Steenkamper zahlen für die Nutzung des Saals keine Miete, nur die Betriebskosten. Der Vertrag läuft zum Ende des Monats aus. Zukünftig will die Saga Miete. 6,50 Euro pro Quadratmeter und Monat. „Das sind 13.000 Euro pro Jahr. Geld, das wir nicht haben“, ist Faber besorgt – und sauer: „In Anbetracht des sozialen Auftrags der Saga/GWG als städtisches Unternehmen und einem Konzernjahresüberschuss von 146 Millionen Euro halten wir dies für absolut unangemessen.“
Kerstin Matzen, Sprecherin der Saga/GWG, sieht das anders als die Siedler: „Wir stellen in vielen Quartieren Räume für Mieterinitiativen zur Verfügung. Damit soll und wird die Entwicklung eines guten nachbarschaftlichen Lebens besonders in sozial schwierigen Stadtteilen unterstützt. In der Steenkampssiedlung gibt es seit vielen Jahren eine sehr stabile Nachbarschaft.“

Und was passiert jetzt?
Die Steenkamper verhandeln mit der Saga/GWG über einen neuen Vertrag. Aber: Bis Monats-ende wird es wahrscheinlich zu keiner Einigung kommen. „Die Saga/GWG hat dem Verein ein Verlängerungsangebot bis Jahres-ende gemacht und würde für diesen Zeitraum lediglich die Betriebskosten und eine Miete von zwei Euro pro Quadratmeter in Rechnung stellen“, so Matzen. Fragt sich, ob der Verein diese Summe irgendwie aufbringen kann.
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1 Kommentar
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Klaus Hampe aus Altona | 24.03.2016 | 22:45  
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