Mission Titelverteidigung

Volle Konzentration: Trotz Grippe behauptete sich Eldert Hedden in der Spitzengruppe
 
Der Joest-Bentley von Eldert Hedden in Aktion

Keine drei Monate nach dem Gewinn der Meisterschaft in der Slotcar-Rennserie RCCO steht Hobbyracer Eldert Hedden aus Finkenwerder wieder am Drücker. Sein Ziel: zum dritten Mal Champion werden.

Der 40-jährige Buchbinder steuert mit seinem Gasgriff an der rechten Hand in der Saison 2013 keinen Subaru wie in den vergangenen zwölf Jahren, sondern einen in Eigenregie aufgebauten 12-Volt-Minirennwagen vom Typ Bentley Continental. Gleiches gilt für seine drei Teamkollegen, den langjährigen Auto-Bild-Testfahrer Walter Rebbin, Motor-Journalist Volker Paulun und Eldert Heddens Bruder Jan.

Le-Mans-Siegerteam Joest Racing als Partner

Hinter dem Fahrzeugwechsel steckt ein großer Name im deutschen Automobil-Rennsport: Joest Racing. Die Mannschaft aus dem Odenwald hat nicht weniger als 13 Siege bei den legendären 24 Stunden von Le Mans eingefahren – den echten in Frankreich wohlgemerkt. Teamchef und Geschäftsführer bei Joest ist Ralf Jüttner, der – jetzt schließt sich der Kreis – mit Hedden bereits mehrmals zusammen Slotcar-Rennen bestritten hat. Allerdings mit Subaru. Joest ist über Audi aber mit dem Volkswagen-Konzern verbandelt, daher schlugen Jüttner und Teambesitzer Reinhold Joest einen Wechsel zur edelsten VW-Marke vor, mit der Joest auch schon in Le Mans gewonnen hat: Bentley.

So weit, so gut. Allerdings drückte die Zeit. Zwischen Geburt der Idee und erstem Rennen lagen nur zwei Monate. In Rekordzeit bauten die beiden Hedden-Brüder die neuen Autos auf. Dafür musste von einem 1:24er-Metall-Modell eine Urform hergestellt werden, die wiederum genutzt wurde, um die Kunststoffkarossen zu gießen. Parallel erarbeitete Jan Hedden das Design der Minirennwagen und stellte Beklebungsfolien her, die er nach dem Lackieren auf die Plastik-Hülle auftrug. Schließlich wuchsen Chassis und Fahrzeugoberbau just in time zusammen.

Trotz Hindernissen Vierter beim Saisonauftakt

Für Testfahrten blieb allerdings keine Zeit. Und so startete das Projekt Bentley ohne Probelauf ins erste Saisonrennen, dass die RCCO-Rennserie Mitte Februar im Marine & Power Innovation Center bei Shell im Hamburger Hafen austrug. Angesichts des Zeitdrucks und der Tatsache, dass Eldert Hedden grippegeschwächt war, kann sich der vierte Platz des Duos Eldert Hedden/Volker Paulun durchaus sehen lassen. Zumal keine fünf Meter zum Sprung auf das Podest fehlten. Das Schwesterauto von Jan Hedden und Walter Rebbin punktete auf Platz sieben. Der Sieg ging an Rekord-Champion Thomas Voigt, der sich seinen Audi R8 mit dem ehemaligen VW-Designer Helmut Schmid teilte.

Große internationale Resonanz

Noch eindrucksvoller als das Premieren-Ergebnis war die Resonanz auf den Einstieg von Joest Racing in den Slotcar-Sport. Über die Facebookseite des Rennstalls häufen sich Anfragen aus aller Herren Länder, wo man die Bentley-Minirennwagen kaufen könne (nirgends, es sind Unikate der Hedden-Brüder made in Finkenwerder). Zu den Interessenten zählt auch John Wickham, der bei Bentley das im vorigen Jahr begonnene Sportwagen-Projekt mit dem echten Continental-Coupé verantwortet. „Er hat uns angemailt und auch gleich ein Wunsch-Design mitgeschickt. Mal sehen, was wir für ihn tun können. So ein Auto aufzubauen ist wirklich eine Heidenarbeit“, so Eldert Hedden.

Den Vogel schoss allerdings eine französische Motorsport-Website ab: Dort wurde vermutet, dass das Slotcar-Projekt von Joest lediglich ein Vorbote auf einen Einsatz eines echten Briten-Renners im ADAC GT Masters sei.

„Es ist schon erstaunlich zu sehen, welch hohe Wellen man mit so einem kleinen Auto schlagen kann“, freut sich Eldert Hedden. „Allerdings wächst mit dem Interesse und dem großen Namen Joest auch der Erwartungsdruck. Aber ich bin zuversichtlich, das wir weitere gute Ergebnisse nachlegen können.“

Bereits am 20. März können Hedden und seine Teamkollegen den Worten Taten folgen lassen. Dann wird der nächste RCCO-Lauf im Porsche-Zentrum an der Eiffestraße ausgetragen. Dort greifen auch Porsche-Werkspiloten und der fünfmalige Le-Mans-Sieger und langjährige Joest-Profirennfahrer Frank Biela ins Geschehen ein.

Infos zur Rennserie unter rcco.de
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