„Feuer und Flamme für Olympia“ oder Ablenkung durch „Brot und Spiele“

Bondi Beach - Austragungsort der Beachvolleyballwettkämpfe Olympia Sidney 2000
 
Bondi Beach - heute Surfspot
Es ist wieder so weit – Presse, Funk und Fernsehen geben unserem Leben wieder einen Sinn.
Wir werden in großen Beiträgen informiert oder befragt oder gebeten Erklärungen abzugeben
Die Olympische Idee zur Förderung des friedlichen Miteinanders ist sicher ein gutes Zeichen für unsere von Kriegen und Krisen gebeutelte Welt, leider hat es wohl auch den Beigeschmack der klassischen Idee von „Brot und Spielen“.
Durch eindrucksvoll inszenierte Großereignisse soll von wirtschaftlichen oder politischen Problemen
abgelenkt werden. Wovon soll da zuerst gesprochen werden?
Sollen es die finanziellen Risiken sein oder das Problem der Nachhaltigkeit der Sportstätten?

Bei einem Urlaub 2009 in Australien habe ich u.a. Bondi Beach gesehen, dort fanden im Jahr 2000 bei Olympia in Sidney die Beachvolleyballwettbewerbe statt. Dafür errichteten die Veranstalter ein temporäres Stadion mit 10.000 Sitzplätzen, ein kleineres Stadion, zwei Aufwärm- und drei Trainingsplätze. Unser Reiseleiter hat uns auf die kläglichen Reste der Olympischen Anlagen hingewiesen. Jetzt ist der Strand ein bekannter Surfspot und gehört zum australischen Nationalerbe.

Bei einem weiteren Urlaub 2014 habe ich das Olympische Dorf und das Olympiastadion in Montreal gesehen. Wie bereits im Abendblatt erwähnt, benötigte die Stadt Montreal 30 Jahre um die Schulden der Olympischen Spiele 1976 zu tilgen. Das Olympiastadion kämpft immer noch mit seinen Baumängeln. Wieso fallen mir in diesem Zusammenhang sofort unsere Elbphilharmonie und der Hauptstadtflughafen ein?
Das Olympische Dorf wird jetzt als gigantischer Wohnkomplex genutzt, wobei es mir erwähnenswert scheint, dass ein Teil der Wohnungen laut unserer Reiseleiterin finanziell schwachen Mietern vorbehalten ist. Sie erwähnte auch, dass Straßen und Brücken in Montreal in einem schlechten Zustand seien (was auch gut ersichtlich war), weil der Schwerpunkt der Stadt der Schuldenabbau war.

Warum will sich nun Hamburg in dieses Abenteuer stürzen und die Risiken nicht sehen?
Sind es wirklich die „Leuchtturmprojekte“, die das lebenswerte einer Stadt ausmachen?
Ich denke an Förderprojekte mit einem finanziellen Rahmen von wenigen 100.000,-€ im sozialen Bereich, die gestrichen werden, weil die Mittel fehlen. Sie wären da, wenn man sie nicht in die gigantische Werbekampagne für Olympia stecken würde.

Wobei wir wieder bei der Thematik „Brot und Spiele“ wären. Wovon sollen wir abgelenkt werden?
Sind es die sozialen Brennpunkte, die dadurch entstehen, dass immer mehr Menschen ins soziale Abseits geraten ohne es verschuldet zu haben oder eine Chance es zu verlassen? Es wurde ja auch festgestellt, dass in den Stadtteilen, wo diese Menschen wohnen, die Wahlbeteiligung geringer war.
Sind diese Menschen schon resigniert? Wann wird sich der Frust nicht mehr durch gezielte Medienkampagnen betäuben lassen?

Wir schauen erschreckt auf die Menschenströme, die aus wirtschaftlichen und oder humanitären Gründen ihre Heimat verlassen und unsere Kommunen sind überfordert. Machen wir da nicht auch nur etwas Kosmetik an den Symptomen? Warum lassen wir es zu, dass Menschen gegen einander aufgestachelt werden mit Versprechen für schnellen Reichtum, Macht und der Aussage, dass es Menschen gibt die mehr wert sind als andere. Wem nützt es? Wer sichert sich so seinen Machtbereich und ökonomische Vorteile?

Geben wir vielleicht falsche Signale? Ist der Friedensnobelpreis als Vorschusslorbeer zu oft an die Falschen gegangen? Warum wird die Skrupellosigkeit als „Erfolg der Individualität“ gefeiert und soziales Engagement als Schwäche oder Weißmacher wie im Fall Hoeneß betrachtet?
Wie wäre es denn damit wirkliche wirtschaftliche Unterstützung zu geben und friedliches Miteinander zu fördern, dann gäbe es auch weniger Flüchtlingsnot.
Wir sollten keine Waffen in Krisengebiete verkaufen, auch wenn es auf den ersten Blick so naheliegend und logisch erscheint. Wir sollten uns auch nicht als „Speerspitze der NATO“ missbrauchen lassen? Warum fällt niemandem auf, dass dies ein Vokabular aus der Zeit des kalten Krieges ist? Ist es nicht Zeit die Kriegstreiberei wieder zu stoppen?

Olympia ist auch ein Mittel dazu. Wie wäre es z.B. auch damit die Wirtschaft Griechenlands zu stärken in dem man Olympia dauerhaft nach Griechenland platziert. Jetzt Wirtschaftsförderung durch große olympische Bauvorhaben, später Nachhaltigkeit durch Vermeidung von Baukosten, da ja die Stätten dann nur erhalten und modernisiert werden müssen.
Ausschreibung der Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen als Repräsentation von Teilnehmerländern. Lasst uns den Sport nicht unter dem Kommerz begraben und die Menschlichkeit nicht unter der Aussicht auf einen kurzfristigen Vorteil.

Lasst uns angesichts des 70. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz die Humanität nicht vergessen und das Vermächtnis der „Ringparabel“ aus Lessings „Nathan der Weise“.
Sie sollte uns ebenso verinnerlicht sein, wie das Krippenspiel in der Weihnachtszeit.
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