Winsener Straße 187: Syrisch-orthodoxe Kirche wird eingeweiht

Lahdo Kilic (li.) und der Kirchenvorsitzende Aziz Acan sind stolz auf ihre neue Kirche. Das Gotteshaus steht jedem offen, betonen sie. Foto:ast (Foto: Foto: ast)
Hamburg: syrisch-orthodoxe Kirche |

Beten im ehemaligen Fitness-Studio. Feierliche Eröffnung der Kirche am 2. Oktober.

Von Andrea Stein. Harburg.
Viele dachten, hier werde eine Moschee gebaut“, sagt Andreas Esen. „Dabei sind das Kreuz und die Kirchenglocken gut zu sehen.“ Der 42jährige Marmstorfer verbringt einen Großteil seiner Freizeit in der syrisch-orthodoxen Kirche. Der Aramäer ist bei Airbus im Flugzeugbau tätig und hat wie viele andere Gemeindemitglieder geholfen, in Eigenarbeit ein neues Gotteshaus zu errichten. Über vier Jahre hat die syrisch-orthodoxe Gemeinde St. Marien in Harburg geplant, gemauert, verputzt und gemalt. Am 2. Oktober nun soll die Kirche feierlich eingeweiht werden.
Bis vor ein paar Jahren war in der Halle an der Winsener Straße 187 ein Fitness-Studio untergebracht. Jetzt ist im unteren Stockwerk ein großer Gemeinschaftsraum mit einer Küche entstanden. Das obere Stockwerk hat die Gemeinde zu einer Kirche umgebaut, die einen schlichten, aber trotzdem feierlichen Eindruck hinterläßt.
Durch bunte Kirchenfenster fällt ein warmes Licht in den 400 Besucher fassenden Kirchensaal. An den Wänden hängen die in Steintafeln gemeisselten Zehn Gebote - in aramäischer und in deutscher Sprache. „Jesus hat Aramäisch gesprochen, vor 2000 Jahren war das die Weltsprache“, erklärt der Kirchenvorsitzende Aziz Acan, der voller Stolz durch die Kirche führt: „Jedes Stück hier kommt aus einem anderen Land“, erklärt Acan, der als Schlosser bei der Sietas Werft arbeitet. „Das Taufbecken aus Indien, Steine aus der Türkei, Mosaike aus dem Libanon, die Deckenleuchter aus Polen.“ Schließlich, so Acan, sind auch die Aramäer weltweit vertreten.
Aramäer sind Christen, die bis in die 70er, 80er Jahre verfolgt und getötet wurden. Von Türken und Kurden aus ihren Heimatgebieten vertrieben, flüchteten viele von ihnen nach Deutschland. Auch Lahdo Kilic kam 1969 als Gastarbeiter nach Harburg. Mittlerweile gehört er zu den Ältesten der Gemeinde, die rund 55 Familien umfasst. Auch in Neugraben und in Billstedt gibt es noch syrisch-orthodoxe Gemeinden.
Bis vor Kurzem hat die Gemeinschaft in der Kirche St. Marien in Harburg ihre meist drei- bis vierstündigen Gottesdienste abgehalten. Das war kein Problem, so Acan. Schließlich sei der Glaube ähnlich dem katholischen. „Die heiligen Sakramente sind die selben und wir lesen die Bibel - allerdings auf aramäisch.“
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