Von Affen, Arbeit und Absurdität des arbeitsamen Lebens

Wann? 26.08.2016 19:30 Uhr

Wo? MehrWertKultur, Nobléestraße 13A, 21075 Hamburg DE
Hamburg: MehrWertKultur |

Friedrich Engels: »Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen« (1876)


»Die Arbeit ist die Quelle alles Reichtums, sagen die politischen Ökonomen. Sie ist dies – neben der Natur, die ihr den Stoff liefert, den sie in Reichtum verwandelt. Aber sie ist noch unendlich mehr als dies. Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, daß wir in gewissem Sinn sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen.«

Nein, dieser einleitende Absatz seines kurzen Textes will die täglich Plackerei weder verherrlichen noch rechtfertigen!! Im Gegenteil: Die Arbeit, wie sie zu seiner Zeit (und heute) organisiert ist, untergräbt die natürlichen Grundlagen des möglichen menschlichen Reichtums.

Aber geschichtlich gesehen ist die bewusste Produktion ihrer Lebensmittel das, was die Menschen vom Tier unterscheidet. Das beinhaltet Fluch und Hoffnung zugleich: Sowohl die Planung und Organisation anderer und damit deren Ausbeutung. Als auch die Hoffnung, dass sich der Mensch befreien und die »blinde« Entwicklung der Natur bewusst gestalten kann.

Engels nimmt in seinem kleinen Abriss Bezug auf das damals heiß diskutierte Buch von Charles Darwin über die Abstammung des Menschen, »Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl«.

Albert Camus: »Der Mythos des Sisyphos. Der ewige Rebell« (1942)


Auch bei Camus ist die Arbeit gewissermaßen eine »Grundbedingung des menschlichen Daseins«, aber zunächst mal eine von den Göttern auferlegte Strafe, ein Fluch. Der Traum, sie zu überwinden, ist absurd.

»Dieser Mythos ist tragisch, weil sein Held bewusst ist. Worin bestünde tatsächlich seine Strafe, wenn ihm bei jedem Schritt die Hoffnung auf Erfolg neue Kraft gäbe? Heutzutage arbeitet der Werktätige sein Leben lang unter gleichen Bedingungen, und sein Schicksal ist genauso absurd. Tragisch wird es aber nur in den wenigen Augenblicken, in denen der Arbeiter bewusst wird. Sisyphos, der ohnmächtige und rebellische Prolet der Götter, kennt das ganze Ausmaß seiner unseligen Lage: über sie denkt er während des Abstiegs nach. Das Wissen, das seine eigentliche Qual bewirken sollte, vollendet gleichzeitig seinen Sieg. Es gibt kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden werden kann.«
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