Vom Bierhumpen bis zur Armbrust

unstvoll gestaltete Pilgerzeichen belegen Harburgs Bedeutung als Transitort für Pilger im 15. und 16. Jahrhundert. Foto: AMH
Hamburg: Archäologisches Museum |

Die Harburger Schloßstraße im Spiegel der Jahrhunderte – Sonderausstellung „Ausgegraben. Harburg archäologisch“

Von Siegmund Borstel. Zwei Jahre und sieben Monate lang konnten Wissenschaftler eine 2.000 Quadratmeter große Fläche an der Harburger Schloßstraße durchforsten. Die Ergebnisse ihrer Ausgrabungen sind im Archäologischen Museum Hamburg/Helms-Museum (AMH) in der Sonderausstellung „Ausgegraben. Harburg archäologische“ zu besichtigen.
Auf der Harburger Schlossinsel wurde wohl um das Jahr 1000 die Horeburg, die „Burg im Sumpf”, errichtet. Von hier aus wurden die Marschen des Hamburger Südens besiedelt. Die Entwicklung des heute im Harburger Binnenhafengebiet gelegenen mittelalterlichen Stadtkerns entlang der Harburger Schloßstraße stellt eine Besonderheit dar: Der Straßenverlauf hat sich über gut 1.000 Jahre nicht verändert – beste Voraussetzungen für die Archäologen, die frühe Siedlungsgeschichte Harburgs zu erforschen.
Auf dem Grabungsareal gab es mehr als 36.000 Funde. Eine besondere Herausforderung stellte bei den Untersuchungen die Tiefe der Siedlungsschichten dar, die bis zu 4,50 Meter unter das heutige Straßenniveau reichten.
AMH-Direktor Rainer-Maria Weiss: „Harburg ist mittlerweile eine der am besten ergrabenen mittelalterlichen Städte Deutschlands.“
Was wurde gefunden? Jede Menge Waffen wie Armbrustbolzen, Pfeilspitzen, Äxte, Speere, Lanzen, Gewehr- und Pistolenkugeln, Musketengabeln und Artelleriegeschosse. Wertvolle Importkeramik, reich verzierte Ofenkacheln und bemalte Fensterscheiben belegen aber auch den Reichtum und die weitreichenden Handelsbeziehungen der frühen Harburger. Die Waren wurden aus Deutschland, England, Holland, Italien und sogar aus China herangeschafft. Die Funde spiegeln den Alltag wider: Neben Teilen von Kleidungsstücken und Pflegeutensilien fand sich auch Kinderspielzeug. Die Archäologen konnten nachweisen, dass entlang der Harburger Schloßstraße Handwerksberufe wie Feinschmiede, Schneider und Bäcker angesiedelt waren.

Ausstellung
Ort: Archäologisches Museum Hamburg/Helms-Museum, Museumsplatz 2
Laufzeit: bis 10. April
Öffnungszeiten:
di bis so 10 bis 17 Uhr
Eintritt: sechs Euro, ermäßigt vier Euro, bis 17 Jahren frei.
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