Sie schliefen lieber draußen

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Yasmin Popko, Bayram Akbaba und Hündin Emma haben in dem Zimmer nur noch Angst. (Foto: Marion Göhring)

Harburg: Pärchen klagt über Drogenmissbrauch in Wohnunterkunft

von Marion Göhring
Aus lauter Angst haben sie drei Nächte in Harburg „unter den Brücken“ geschlafen – mal auf dem Spielplatz neben dem Bürgeramt, mal in den Grünanlagen am Phoenix-Center. „Da waren wir immer noch sicherer als in der Wetternstraße“, sagt Yasmin Popko (26). Sie lebt mit Bayram Akbaba (52) und der Mini-Malteser-Hündin Emma (6) in der Wohnunterkunft von „Fördern & Wohnen“.
Yasmin Popko hatte zunächst nicht verstanden, warum sich der Betreiber der Unterkunft „Fördern & Wohnen“ nennt. Jetzt glaubt sie, es zu wissen: „Da wird der Drogenkonsum gepflegt.“ Eine Zeitlang mussten sei sich das Zimmer mit einem jungen Mann teilen, der sich ganz offen „das Zeug“ gespritzt habe. Überall im Zimmer sei Blut gewesen, aus lauter Angst vor Ansteckung habe sie alles wieder weggewischt. Auf Nachfrage des Wochenblatts prüft der Betreiber den Vorwurf, konnte sich aber bis Redaktionsschluss noch nicht abschließend äußern.
Inzwischen haben Yasmin Popko und ihr Lebensgefährte ein anderes Zimmer bekommen. Vor allem die junge Frau braucht jetzt Ruhe, sie ist im sechsten Monat mit Zwillingen schwanger. Ihr erstes gemeinsames Kind haben sie verloren. „Unser Sohn lag an meiner Brust“, sagt Yasmin Popko. „Auf einmal hat er nicht mehr geatmet. Plötzlicher Kindstod.“ Wenig später der nächste Schock: Ihre Eltern verunglücken auf einer Urlaubsreise. Beide sind sofort tot.
Bayram Akbaba hatte eine Wohnung in Wilhelmsburg. Als er eine Weile woanders arbeiten musste, überließ er die Wohnung einem Freund. Der sollte auch Miete zahlen, tat es aber nicht. Der Vermieter ließ nicht mit sich spaßen und nahm die Räumungsklage auch nicht zurück, als Akbaba die Miete nachzahlte.
So landete Akbaba im Heim an der Wetternstraße. Seine Familie, er hat acht Geschwister, hatte ihn verstoßen, weil er sich von seiner Kusine getrennt hat, mit der er nach einem Familienbeschluss verheiratet worden war. Popko und Akbaba: „Wir geben uns gegenseitig Halt.“ Den brauchen sie seit dem Wochenende besonders dringend. Als es nachts immer lauter wurde, die Schwangere sich beschwerte und ein Drogendealer, der nicht dort wohnt, versuchte, ihre Tür einzutreten, rief sie in einem „Anfall von Angst und Wut“ die Polizei. Die kam und nahm zwei Männer vorläufig fest. Dabei seien die meisten Drogen noch schnell vor der Polizei versteckt worden.
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