Schwimmkurse statt Herumlungern

Löwenhaus-Leiter Christopher Kaack und Mitarbeiterin Franziska Ziemann wollen, dass die Kinder aus dem Phoenix-Viertel eine Chance haben. Foto: sl
Hamburg: Löwenhaus Harburg |

Zehn Jahre Löwenhaus sind eine Erfolgsgeschichte

Von Sabine Langner. Laut, frech, rotzig und selten anwesend. Für ihre Lehrer war Maria (Name geändert) eine Zumutung. Die Zehnjährige war nicht zu bändigen. Ihr Weg schien vorprogrammiert: Miserabler Schulabschluss, keine Ausbildung, keine Perspektive. Heute besucht die inzwischen 20-Jährige die Meisterschule für Friseure. Maria ist einer von vielen jungen Menschen, die die Kurve im Löwenhaus bekommen haben.

Alle Kinder im Löwenhaus lernen schwimmen

Seit zehn Jahren kümmern sich die Mitarbeiter des Hauses in der Kalischerstraße um Kinder aus dem Viertel und um den Stadtteil. Hier gibt es regelmäßige Mahlzeiten, die täglich frisch gekocht werden. Hier gibt es Hausaufgabenhilfe und einen Ort, wo die jungen Besucher spielen können. Einmal im Jahr wird für die Kinder eine Skireise organisiert. Einmal im Jahr fahren sie für eine Woche in ein Ferienhaus nach Soltau. Alle Kinder lernen schwimmen. Eine Ernährungsberaterin veranstaltet regelmäßig Kochkurse.
„Wir bekommen von der Harburger Tafel regelmäßig Nahrungsmittel. Fast Food ist hier im Haus verboten“, erläutert Christopher Kaack, Leiter des Löwenhauses.
Und es gibt viele Unterstützer. „Von der Oma, die ein Säckchen Silbergeld mitbringt bis hin zu großen Firmen, die unseren Kindern einen Praktikumsplatz anbieten.“ Erst vor einigen Tagen hat das Löwenhaus einen mit 8.000 Euro dotierten Stadtteilpreis von der „Hamburger Morgenpost“ bekommen.
Zwischen 20 und 40 Besucher kommen jeden Tag ins Löwenhaus. Sie sind zwischen sechs und 14 Jahre alt. Alle haben einen Migrationshintergrund. Die meisten kommen nach der Schule gegen 16 Uhr. Seit einigen Monaten kommen auch immer mehr Flüchtlingskinder.
Im Löwenhaus werden sie alle mit offenen Armen aufgenommen. „Das ist der tollste Job der Welt“, schwärmt Christopher Kaack. „Und wenn wir sehen, dass die Kinder uns nach ein paar Jahren mit einer Berufsperspektive verlassen und teilweise hier ehrenamtlich noch mithelfen, obwohl viele aus einem Hartz-IV-Haushalt kommen, dann weiß ich, dass wir ganz viel richtig machen.“

Ohne Staatsknete

Elf Mitarbeiter, drei fest Angestellte und acht Honorarkräfte, sorgen im Löwenhaus dafür, dass die Kinder einen Anlaufpunkt haben. Finanziert wird der Etat zum größten Teil aus Spenden und Stiftungen. Nur ein Viertel des benötigten Budgets wird regelmäßig durch den Arbeiter Samariter Bund (ASB) bezahlt. Übrigens: Geld vom Staat gibt es nicht. SL
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