„Sagenhaft“

Schauen Sie sich das an: Kurator Georges-Didi Hubermann (re.) führt die ersten Besucher durch die Ausstellung. Vorne ist eine Installation von Öyvind Fahlström zu sehen.
 
Vergilbte Karte: Arthur Rimbaud hat das Thema Atlas wörtlich genommen.
Hamburg: Sammlung Falckenberg |

Die sensationelle „Atlas“-Ausstellung läuft noch
bis zum 27. November in Harburg.

Von Sabine Langner, Harburg.
Jetzt hat Harald Falckenberg allen Grund zu strahlen und das tut er auch bei dieser Ausstellungseröffnung. Der Gründer der gleichnamigen Sammlung hat zusammen mit den Deichtorhallen Kunstweke nach Harburg geholt, die in der internationalen Kunstwelt als ganz großer Coup gehandelt werden.
„Atlas. How to Carry the World on One’s Back?“ (Atlas. Wie kann man die Welt auf dem Rücken tragen?) lautet der Titel der Ausstellung, die noch bis Sonntag, 27. November, läuft. Werke weltberühmter Künstler wie beispielsweise Salvador Dali, Francisco de Goya, Man Ray und Jean-Luc Godard füllen zusammen mit mehr als 100 anderen Künstler einträchtig die insgesamt 5.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.
Fotografien, Zeichnungen, Filme, Installationen, Malereien, Schriften, Experimente, Landkarten, Montagen, solare Verbrennungen, Skulpturen und Texte laden ein zu einem Spaziergang durch das 20. Jahrhundert. „Das ist ein Kaleidoskop der Menschheitsgeschichte“, erklärt Harald Falckenberg. „Stellen Sie sich vor, Sie blättern in einem Atlas und finden auf jeder Seite neue Informationen.“
Genau das wollte auch der Kurator, der französische Philosoph Georges-Didi Hubermann. Laut eigener Aussage war er vorher noch nie in einem Museum. So ganz wird das nicht stimmen, aber es erklärt die Herangehensweise an das Thema. Atlas ist
einerseits die mythologische Figur, die die Götter herausgefordert hat und zur Strafe bis in alle Ewigkeit das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern tragen muss. Gleichzeitig ist ein Atlas eine Sammlung von Landkarten, Bildern oder Daten. Nicht zu vergessen, die Atlasseide, das Atlasgebirge und der erste Halswirbel im menschlichen Körper.
So gesehen ist die bunte Mischung an Kunst in der Falckenberg-Sammlung logisch. Hubermann, der den Auftrag für diese Ausstellung vom Madrider Museum Reina Sofia bekam, spazierte durch die Kunstwelt des 20. Jahrhunderts wie ein Kind durch einen Spielzeugladen. „Herrlich“, erinnert sich der Franzose an die Arbeit.
„Diese Ausstellung ist sagenhaft“, freut sich Harald Falckenberg. „Gerade für Menschen, die sich bisher nicht so sehr viel mit Kunst beschäftigt haben. Viele der Exponate zeigen zudem den Entstehungsprozess des Werkes. So in dieser Form hat man das noch nie gesehen.“
Die geradezu naive Herangehensweise des Kurators fasziniert Harald Falckenberg auch an der Kunst an sich. Der 68-jährige promovierte Jurist und Unternehmer, der sein Vermögen mit Zapfsäulen und Einfüllstutzen machte, sammelt leidenschaftlich gern Kunst. „Das ist die Bereicherung meines Lebens, der Protest gegen die völlige Vereinnahmung durch den Beruf, das Gegengewicht gegen die Gesetze des Unternehmens.“ Zwar würde er gern jeden Tag von 8 bis 18 Uhr im Büro sein, und letztlich sei er es als Chef ja auch, der die Gesetze in seinem Unternehmen mitgestaltet. Aber das sei eben nicht alles im Leben.
„Und wenn ich sehe, wie naiv, wie infantil manche Künstler die Welt sehen, wie sie arbeiten, dann möchte ich zwar nicht mit ihnen tauschen, aber es beeindruckt mich“, sagt er. Mit dieser Einstellung hat Harald Falckenberg im Laufe seines Lebens eine solche Fülle an Schätzen angesammelt, dass Besucher der Sammlung eigentlich mehrere Tage Zeit bräuchten, alles zu sehen.
Die „Atlas“-Ausstellung läuft noch bis zum 27. November in der Sammlung Falckenberg, Wilstorfer Straße 71, Tor 2. Ein Besuch der Sammlung ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Diese finden mittwochs und donnerstags um 18 Uhr, freitags um 17 Uhr sowie sonnabends und sonntags um 11 und um 15 Uhr statt. Eine Anmeldung ist notwendig unter 32 50 67 62 oder im Internet www.sammlung-falckenberg.de.
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