Lyrik-Lesung entführte in andere Welten

Hamburg: Kulturcafe Komm du |

Ein Abend, der lange im Gedächtnis bleiben und bei allen, die daran teilhaben durften, nachwirken wird

Am Mittwoch, den 29.4.2013 hatte das Kulturcafe "Komm du" in der Buxtehuder Straße 13 zu einem Lyrikabend mit dem Schriftsteller Helmut Barthel eingeladen. Eine grüne Postkarte, dekorativ aufgemacht, landete in meinem Briefkasten. Neugierig hatte ich sie zur Hand genommen. "Helmut Barthels Gedichte sprechen für sich.", stand dort. Ich las weiter. Eine Leseprobe für das, was das Publikum an dem Abend zu erwarteten haben würde, weckte unmittelbar, noch während mein Blick über die Zeilen flog, Assoziationen von einem finsteren Himmel mit stiebenden Wolken, die zu unheimlichen Formationen heranwuchsen und flüchtige Figuren bildeten. Dazu vermeinte ich, das Tosen eines gewaltigen Sturms zu hören.

Sturm

Welche Freundschaft und Umarmung,
wenn der Sturm die Wolken weht,
und der Himmel ohne Warnung
immer wieder neu entsteht.

Welches Treffen alter Wesen,
urverbunden, wortlos echt,
hab'n die Zukunft schon gelesen
vor dem menschlichen Geschlecht.


Die Worte hatten mich beim Lesen offenbar unbemerkt den Sturm direkt miterleben und meine Umgebung vergessen lassen. Fasziniert beschloss ich, diesen Abend auf keinen Fall zu versäumen.

So machte ich mich denn am Mittwoch nach der Arbeit auf den Weg ins "Komm du". Bis zum Beginn war noch über eine Stunde Zeit. Der Tresen war mit selbst gebackenen Köstlichkeiten gefüllt, und warmes Essen gab es auch. Die großzügig bemessenen Kuchenstücke für einen ausgesprochen günstigen Preis, nahmen mich gleich für dieses kleine Kaffeehaus ein.

Das Lokal füllte sich, und schon bald waren die besten Plätze belegt. Eine fröhliche Stimmung und rege Unterhaltungen zeugten von der Vorfreude auf das, was geboten werden sollte. Auch ich suchte mir eine Ecke mit guter Sicht auf die Bühne, auf der der Autor schon seinen Platz eingenommen hatte. Dann ging es los.

Zunächst mit 'leichter Kost', wie der Autor anmerkte: kurze Gedichte, die kleine surreale Geschichten erzählten oder intensive Farbassoziationen erweckten, so überzeugend vorgetragen, dass an einigen Stellen lauthals gelacht wurde. Und schon gleich zu Beginn der Lesung fiel der Streß des Arbeitstages total von mir ab.

Dann ging es weiter mit Gedichten über die Natur, einen Vulkanausbruch, die Dämmerung und eine unheimliche Erkenntnis am Waldesrand, über Morgentau, Hexen und Zwerge,
über das Problem des Alterns und in Heime Abgeschobenwerdens, über einen übereifrigen Weltverbesserer und seine seltsame Begegnung in der U-Bahn. Auch der Traum vom Fliegen und andere menschliche Sehnsüchte und Probleme kamen dran, ebenso die Sicht eines Wolfes, der mit knurrendem Magen durch die eisigen Wälder Sibiriens streift. Gitarrenklänge und die überleitenden, sympathischen Einschübe des Autors verbanden all diese Gedichte zu einer spannenden Reise durch Welten, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Solche Gedichte finde ich großartig: keine hergeholten, gequälten Reime, sondern Verse, die sich einfach zufällig zu reimen scheinen, und lauter Themen, die einen ganz nachdenklich machten.

Helmut Barthels Vortrag, der die Zuhörer richtige Geschichten erleben ließ, findet nicht so schnell seines gleichen. Die absolute Stille vor dem enthusiastischen Applaus nach einigen der Gedichte sagte mir, dass nicht nur ich so empfunden habe.

Für diesen ungewöhnlichen Abend, den ich ganz bestimmt nicht vergessen werde, danke ich dem Autor Herrn Barthel und auch dem Gitarristen Stephen Foley, der die Lesung mit seinen einfühlsam vorgetragenen Zwischenmelodien begleitet hat.

Weiter so, "Komm du"! Ich freue mich jetzt auf den nächsten kulturellen Abend an diesem gemütlichen und geselligen Ort. Schön, dass es so etwas in Harburg gibt!
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