Lesung aus Werken von Allan Sillitoe – der »angry young man« aus der britischen Arbeiterklasse

Wann? 26.02.2016 19:30 Uhr

Wo? MehrWertKultur, Nobléestraße 13A, 21075 Hamburg DE
Hamburg: MehrWertKultur | »Ich mißtraue der Vergangenheit, mag aber die Menschen von früher, weil gerade sie es sind, die an mir vorüberziehen. Diese Gestalten kommen zu mir aus der Vergangenheit, zeigen sich mir auf der Zellenwand meines Geistes. Und damit beherrschen sie auch die Gegenwart: voller Leben, groß und ganz gewöhnlich.«

Wo hatte Allan Sillitoe (1928 - 2010) das Schreiben gelernt? Nicht auf der Uni, sondern auf der Straße und den Fabriken Nordenglands der 50er Jahre. Er schrieb im Straßenslang seiner Heimat, der Industriestadt Nottingham. Sein Vater war ein meist arbeitsloser Gerber. Mit 14 fing er in »dessen« Fabrik an zu arbeiten. 1946 trat er der Royal Air Force. Drei Jahre später kehrte er mit Tuberkulose aus Malaya nach England zurück. In den anschließenden 16 Monate in einem Luftwaffen-Krankenhaus fing er an, Gedichte zu schreiben. Nach seiner Entlassung aus der RAF verbrachte er die nächsten sieben Jahre in Frankreich und Spanien.
Seine ab Ende der 50er Jahre erschienenen Romane und Kurzgeschichten sind vielleicht einfach gestrickt: Meist handeln sie von einem jungen Fabrikarbeiter, der versucht, aus seinem Leben monotoner Arbeit und familiärer Enge auszubrechen. Mal führt dessen Reise bis zur algerischen Befreiungsfront, mal sind es bloß Affären mit verheirateten Frauen und Träume eines ungebundenen Lebens, mal wird geklaut, in den Knast gegangen und allerlei Verrücktheiten begangen. Am Ende führt der Weg immer wieder zurück in das vorbestimmte Leben.
Sillitoe war sicherlich kein sozialistischer Autor, der agitieren wollte. Es verarbeitete sein eigenes Leben, auch die Erfahrungen seiner Generation, die es nicht schaffte, die mit dem Sieg über das faschistische Deutschland verbundenen Hoffnungen umzusetzen und letzten Endes weiter in der Mühle gefangen blieb. All diese Erfahrungen drückte er in einer sehr bildhaften und oft sehr humorvollen Nottinghamer Alltagssprache aus. Sein bekanntestes (verfilmtes) und politischstes Werk war »Die Einsamkeit des Langstreckenläufers« über den jugendlichen Fürsorgezögling Colin Smith. »Laufen war schon immer eine große Sache in unserer Familie, vor allem das Weglaufen vor der Polizei« beginnt der Film...

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Immer am letzten Freitag im Monat treffen wir uns um 19.30 Uhr zu einem öffentlichen Leseabend.
Wir lesen Stücke jeweiliger Lieblingsautoren und -autorinnen, hangeln uns an thematischen Fragen weiter, machen szenische Lesungen...
Wer Lust und Ideen zum Vorbereiten hat, ist immer willkommen und melde sich gerne.
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