„Flicken reicht nicht“

St.Trinitatis Pastorin Sabine Kaiser-Reis mit einem von insgesamt 5.000 Ziegelsteinen, die der Westfassade bis Ende Juli ein neues Gesicht geben. Foto: Andreas Tsilis
Hamburg: St.Trinitatis |

5.000 Ziegelsteine geben St.Trinitatis ein neues Gesicht.

Von Andreas Tsilis. St.Trinitatis an der Bremer Straße 15 bekommt bis Ende Juli
eine neue Westfassade aus ofengebrannten Ziegelsteinen. Die Baumaßnahme ist notwendig geworden, da durch die Außenwand viel Feuchtigkeit dringt, die das Mauerwerk schädigt. Die Erneuerung ist zugleich Teil einer umfangreicheren Sanierung – im kommenden Jahr soll dann auch der weiße Glockenturm in neuem Glanz erstrahlen.
Die Gesamtkosten werden auf rund 370.000 Euro geschätzt. Mindestens drei Jahre nahm allein die Planung, Gestaltung und Finanzierung der 70.000 Euro teuren Außenwand in Anspruch. Ursprünglich sollten dabei nur 500 der insgesamt 5.000 Ziegelsteine ausgetauscht werden. Untersuchungen ergaben jedoch, dass nahezu alle der über 60 Jahre alten Steine porös sind. Eine in den 1980er-Jahren durchgeführte „Härtung“ der Ziegelsteine habe schließlich das Gegenteil bewirkt, erklärt Pastorin Sabine Kaiser-Reis. „Flicken reicht nicht“, fasst die Theologin die Untersuchungsergebnisse zusammen. Der Kirchenrat entschied deshalb, alle Steine in einem Rutsch auszutauschen. Doch so einfach ist der Umbau des Gotteshauses nicht: St.Trinitatis ist denkmalgeschützt, einfach handelsübliche Ziegelsteine anzupappen, schlichtweg undenkbar. Der beauftragte Kirchenarchitekt Hagen Dorow suchte und fand schließlich Handwerker in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden, die das traditionelle Ziegelbrennen noch beherrschen.

Auf dem Dach: Brandenburger Kohlebrände

Am Ende entschied man sich für einen Betrieb aus Brandenburg; deren Ziegelbäcker experimentierten monatelang mit verschiedenen seltenen, (weißen) Tonsorten. „Die Schwierigkeit war, die Frostsicherheit und einen ganz bestimmten Farbton hinzubekommen“, sagt Dorow. Im März dieses Jahres waren die Brandenburger Ziegelbäcker schließlich erfolgreich.
In fünf bis sechs anschließenden „Kohlebränden“ reiften 5.000 langformatige Ziegelsteine im Ringofen. Deren Kaufpreis betrug 22.000 Euro, private Bürger konnten sich als „Ziegelpaten“ an den Kosten beteiligen (das Elbe Wochenblatt berichtete). Sind die Steine erst einmal an der Westfassade aufgebracht, „werden sie aus der Ferne alle gleich, aus der Nähe alle anders aussehen“, sagt Dorow. Laut Architekt soll der Farbton wärmer sein als bei den Kirchenziegeln der 1950er-Jahre.
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