Autofrei, ruhig und abgeschottet

Raum für Ideen: das Seeveviertel von oben.
Hamburg: Rieckhof |

Erstes Treffen der Zukunftswerkstatt SeeveViertel.

Von Almut Möhle. So viel Zukunft war lange nicht mehr: „Das SeeveViertel ist mehr als eine Passage“ hieß die Zukunftswerkstatt, die Ende Januar mit 24 Teilnehmern im Rieckhof stattfand. Jörn Hansen, Geschäftsführer des Rieckhofs und Initiator dieser Idee, hatte hierzu Vertreter aus Politik und Verwaltung, Geschäftsleute, Stadtplaner, Anwohner und alle am SeeveViertel Interessierte eingeladen.
„Eine Stärke dieses Quartiers ist, dass alles fußläufig sehr gut erreichbar ist, denn es muss ja ohne große Parkmöglichkeiten auskommen“, sagt ein Teilnehmer. „Allerdings empfinde ich einige Bereiche als sehr trist und bedrückend.“ Ihm missfallen die vielen grauen Betonwände mit missgelungenen Graffitis. „Bei Regen kann man sich durch die Seevepassage im Trockenen bewegen, bei Sonne – im übertragenen Sinne – leider auch.“ Er spielt dabei auf die Balkonebenen und hohen ‚schmuddeligen’ Fassaden an, die nicht genügend Sonnenlicht einfallen lassen.
Natürlich können mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln die städtebaulichen Strukturen nicht grundlegend verändert werden, doch es gibt realisierbare Ideen zur Verbesserung der aktuellen Situation, insbesondere was die Optik, die Sauberkeit und somit die Lebensqualität betrifft. „Viele Menschen beschweren sich über den Taubendreck, auf dem man schlimmstenfalls ausrutschen kann“, sagt eine Heiltherapeutin, die ihre Praxis in der Harburger Innenstadt hat. Mit den so genannten Taubennetzen könne man jedoch kostengünstig Abhilfe schaffen.
Ein großes Ärgernis für viele ist das Trinken und Urinieren einiger Menschen in der Öffentlichkeit. Auf der Reeperbahn habe man öffentliche Urinale eingerichtet. Warum sollte das in Harburg nicht möglich sein?
Viele Harburger würden das SeeveViertel mit seinen klotzigen, großen Bauten und markanten Zugängen als burgähnlich oder als ‚verstecktes Viertel’ bezeichnen und sehen das negativ. Doch dieses Phänomen hat auch positive Seiten, etwa für die Anwohner: Man kann mitten in der Stadt sehr ruhig, autofrei und abgeschottet leben.
„Die Harburger Innenstadt hat so viel zu bieten. Die Leute möchten einkaufen, essen, feiern, sich treffen. Das alles kann man hier doch haben. Die Harburger sollten zu ihrer Stadt stehen. Ich halte mich jedenfalls sehr gern hier auf“, bekräftigt die Heiltherapeutin.
Allgemein wurde in der Runde bedauert, dass kein Anwohner zu dieser Auftaktveranstaltung der Zukunftswerkstatt gekommen war.
„Eventuell sollte die Einladung beim nächsten Mal auch in anderen Sprachen verfasst werden, zum Beispiel auf Türkisch“, regte ein Teilnehmer an, der sich als ‚Neu-Harburger’ und Student vorgestellt hatte.
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