Zehn Spiele – 30 Punkte!

„Kopfball-Ungeheuer“ Stephan Wulf erzielte den entscheidenden Treffer für den FC Alsterbrüder – per Kopf natürlich. (Foto: fs)

FC Alsterbrüder: Wie ein Kreisliga-Club auf rotem Grand eine Siegesserie startet

Fritz Schenkel, Eimsbüttel

Die ärmste „Sau“ auf der Anlage ist Ernst Moritz Kühn. Der Keeper des FC Alsterbrüder hat das Kunstleder während der 90 Minuten vielleicht ein halbes Dutzend Mal an Hand und Fuß. Das Problem: Bei nur wenigen Grad über Null fegt der Herbstwind über den Gustav-Falke-Platz und Kühn steht in der zweiten Hälfte im Schatten. Das ist kein Spaß.
Auch das akustische Warmhalten ist ein Problem. Die Begegnung des Spitzenreiters der Fußball-Kreisliga 2 gegen Altona 93 II ist eine einseitige Angelegenheit. Keine Aufreger vor seinem Kasten, an denen er sich abarbeiten könnte, und das Dirigieren der eigenen Mannschaften geht über die Kraft seiner Stimmbänder. Das Geschehen spielt sich fast ausschließlich in der sonnigen Hälfte der Gäste ab, und die ist weit weg – der „Gustav-Falke“ und seine gefühlte Größe von 200 mal 150 Metern. Dass die Partie nur 1:0 für die Eimsbütteler endet, ist ein Witz.
Angenehm muckelig sitzt es sich dagegen im selbst gebauten VIP-Bereich aus Bierkisten und Plastikstühlen an der Gegengeraden an der Schlankreye in der Sonne. Ein Dutzend Best-Ager konsumiert die ansprechenden Darbietungen des Spitzenreiters ohne akustische Anteilnahme. Fast ohne. Als der souveräne Schiedsrichter Mitte der zweiten Hälfte auf Freistoß für den FC Alsterbrüder entscheidet und den Abstand der Mauer abschreitet, lässt sich einer der Väter zu einem „Schiri, deine Schritte werden ja immer kürzer, das sind ja nur 4,30 Meter“ hinreißen.
In krassem Gegensatz dazu die beiden Teams. Kommentare zu beinahe jedem Pfiff. Und das Gezetere ist umso lauter, je weiter der Absender vom Ort des Geschehens entfernt ist. Aber auch für Freunde des gepflegten Fußballs hat der FC Alsterbrüder einiges zu bieten. Trotz des gruseligen Untergrunds wird permanent versucht, den Ball einigermaßen kontrolliert laufen zu lassen. Auf roter Asche ist das nicht so einfach. Und verlorene Bälle holt sich die junge Mannschaft durch sofortiges und aggressives Gegenpressing schnell wieder zurück. Die Eimsbütteler sind nicht umsonst der bislang einzige von 128 hamburgischen Kreisligisten, der aus zehn Spielen das Maximum von 30 Punkten geholt hat.
Aber: Kurzärmelige Trikots tragen, um bei der Kälte „Eier zu zeigen“, und dann laufen einige Kollegen mit andersfarbigen, langärmeligen Unterziehern da drunter auf – geht gar nicht!
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