„Wir sind das gallische Dorf“

Meister und Vizemeister vereint: Die Kicker der Rotation Meisenfrei (schwarz-grüne Trikots) waren gegen die Mannschaft von Hamburg Wasser und Zoll unterlegen – sind aber trotzdem zufrieden. (Foto: Tilman Schuppius)

Wie sich eine kleine Eimsbütteler Fußball-Mannschaft gegen die Großen im Betriebssport durchschlägt

Auf dem Tresen steht der kleine Pokal des Vizemeisters: Dieses Jahr nur Platz zwei. Voriges Jahr wurden sie Meister im Senioren-Betriebssport. Die Männer von der Rotation Meisenfrei sind nach knapp 40 Jahren plötzlich erfolgreich (siehe unten) – die Geschichte einer kuriosen Truppe.

„Wir hatten nie Ambitionen, nach oben zu kommen. Aber seit ein paar Jahren läuft es gut. Unser Erfolg hat uns selbst überrascht“, sagt Volker Scharrnbeck, der von Anfang an dabei ist. Mitte der 70er Jahre fand sich eine Handvoll junger Spieler im Umfeld der Bethlehemkirche zusammen, um zu kicken. Lokomotive Bethlehem lautete der erste Name des
Teams. Sonntags trafen sie sich auf dem August-Bosse-Platz an der Hohen Weide oder auf dem Grandplatz an der Schule Lutterothstraße. „Wir waren eine reine Freizeitmannschaft, uns ging es allein ums Spielen, auf Vereinssport hatten die meisten keine Lust.“ Aus dem kirchlichen Umfeld sind die Spieler irgendwann rausgeflogen: „Es hieß von der Kirche, dass unsere Jugenarbeit nicht zum Altar führe, das wollten die nicht“, erzählt Scharrnbeck. Die Mannschaft nannte sich fortan nur noch Lok B und suchte andere Möglichkeiten zu spielen. „Plätze für Freizeitmannschaften wurden rar, wir haben uns dann über den Betriebssport angemeldet.“ Seit gut 25 Jahren läuft das Team nun unter dem Namen Rotation Meisenfrei auf – benannt nach der bekannten Eimsbütteler Kneipe. Zwischendurch hieß die Truppe auch mal Sweet Virginia, Hula Hoop Club oder Team 2000.

Früher ging es um Anarchie, heute um Wehwehchen


Heute kicken etwa 20 Männer regelmäßig bei der Rotation, sechs Spieler der ersten Stunde sind noch dabei. „Früher ging es in den Gesprächen in der Kabine um Demos und Anarchie, heute reden wir häufig über gesundheitliche Probleme“, erzählt Scharrnbeck lachend.
Ihre sportliche Heimat haben die Spieler seit Jahren auf dem Gustav-Falke-Platz des FC Als-terbrüder, aus dessen Seniorenteam sich ein Teil der Mannschaft rekrutiert. Es hat etwas vom Kampf David gegen Goliath, wenn die Rotation mit ihren 20 Leuten gegen Teams von Polizei, Hochbahn oder Montblanc mit einer riesigen Spielerreserve kickt. „Wir sind das gallische Dorf im Fußball“, sagt Scharrnbeck.

Meister und Vizemeister


Voriges Jahr besiegte die Rotation Meisenfrei überraschend das Team der Hochbahn im Endspiel um die Betriebssportmeisterschaft der Senioren. Die Titelverteidigung hat nicht geklappt. Beim Finale gegen eine Spielgemeinschaft von Hamburg Wasser, Zoll und Wasserschutzpolizei hatte die kleine Truppe keine Chance: 6:0 gewannen die Gegner.
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