Spieler und Philosoph

Als Spieler erfolgreich, als Trainer scheiterte er: Der Handballer Adolf Giele im Jahr 1961. (Foto: „Sport“)

Adolf Giele gehörte zu den Großen im Nachkriegshandball

Fritz Schenkel, Eimsbüttel

Es hätte nicht viel gefehlt und dem Fußball-Wunder von Bern im Juli 1954 wäre ein Handball-Wunder von Göteborg vorausgegangen. Doch die gesamtdeutsche Auswahl scheitert am 17. Januar 1954 im WM-Finale mit 14:17 an Gastgeber Schweden. Mit Otto Maychrzak, Werner Vick (beide Polizei SV) und Adolf Giele (SC Victoria) gehören gleich drei Eimsbütteler Spieler zu den herausragenden Akteuren dieser Mannschaft.
Der am 17. Dezember 1929 im pommerschen Sztum geborene Giele landet in den Wirren der Flüchtlingsströme des Zweiten Weltkriegs zunächst in Wilhelmshaven. Im Oktober 1949 kommt der spätere Philosophie-Student nach Hamburg, schließt sich aber nicht der damaligen deutschen Handball-Großmacht Polizei SV, sondern dem SC Victoria an. Der Klub gehört noch nicht einmal zu den ersten Handball-Adressen Hamburgs. In Gieles aktiver Zeit gelingt nur ein lokaler Titelgewinn. 15:15 stand es im Endspiel gegen Polizei SV beim Abpfiff, einen noch auszuführenden Freiwurf zimmerte der 1,94 Meter große Giele „mit vollendeter Präzision über die Häupter der Polizei-Prominenz, einer wahren Kollektion von Nationalspielern“ zum entscheidenden Treffer in den Giebel.
Giele ist aber kein Haudrauf-Kraftpaket, sondern ein Stratege, der „jene höhere Mathematik des Hallenspiels traumhaft sicher beherrscht, die den Typ jenes großen Könners prägt, der seinen Erfolg nicht im rücksichtslosen Körpereinsatz findet, sondern in der Überlistung des Rivalen seine Triumphe feiert“, dichtet die Fachpresse beinahe hymnisch über den technisch perfekten Rückraumspieler.
Als Co-Trainer der DHB-Auswahl und Betreuer der B-Mannschaft scheitert der eigenbrötlerische Giele. „Seine Arbeit ähnelte mehr der eines Dompteurs. Da wurden Spieler zu Marionetten degradiert! Sie befolgten brav seine Anweisungen mit dem Ergebnis, dass völlig gehemmte und verunsicherte Spieler auf dem Parkett standen“, schrieb die „Zeit“ 1973.

Er starb alleine und vereinsamt

Giele, hochintelligent und unkonventionell, kapselt sich im geerbten Haus in Sande bei Wilhelmshaven immer mehr ab. Über Jahre treibt er philosophische Studien, ohne je einen Abschluss zu machen. Als ihn ein Nachbar am 7. Juni 2002 tot in seinem Haus findet, ist Giele bereits seit einer Woche verstorben.
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