Sensation am Millerntor

Augen zu und durch: Grün-Weiß-Mittelstürmer Blohm erzielt gegen Hannovers Keeper Herrmann (links) seinen ersten Kopfballtreffer, der aber wegen Abseits nicht gegeben wird. (Foto: Sammlung Schenkel)

5. März 1961: Der Pokalcoup von Grün-Weiß 07

Fritz Schenkel, Eimsbüttel/St. Pauli – Es ist die klassische Konstellation: Der Kleine aus dem Niemandsland in Hamburgs höchster Spielklasse trifft auf den Großen, den Tabellenzweiten der Oberliga Nord. Der Umzug von Eimsbüttel nach Mitte hat sich gelohnt: „Sage und schreibe knapp 2.000 Zuschauer“, so die Fachpresse, sind an diesem 5. März 1961 mitgezogen zum Millerntor. In der Hoffnung, in der zweiten Runde des Norddeutschen Pokals zwischen Grün-Weiß 07 und Hannover 96 die erhoffte Sensation zu sehen.
Kaum ist das Duell angepfiffen, zimmert ein Hannoveraner den Ball an die Latte. Das kann ja heiter werden. Aber der Holztreffer stachelt die Lang – Zander, Oergel – Lüngen, Lemgo, Wagner – Heidtmann, Scheurer, Blohm, Kassenbrook und Froh an. Selbst das 0:1 (30., Foulelfmeter) steckt Grün-Weiß weg. Angeführt vom überragenden Halbstürmer Kassenbrook schaffen sie durch Scheurer (55.) das 1:1. Verlängerung. Dann schreitet Kassenbrook selbst zur Tat und bringt die Eimsbütteler mit 2:1 (95.) in Führung. Und das alles ohne nennenswerte Gegenwehr der Vertragsspieler, denen „eine Leistung von unfassbarem Tiefgang“ bescheinigt wird. Grün-Weiß 07, 1956 in Hamburgs Eliteliga aufgestiegen, steigert sich dagegen in die typische Pokalstimmung hinein. Mit Kampf und mannschaftlicher Geschlossenheit – „Jeder tat sein Äußerstes“ – werden die Hannoveraner vom eigenen Kasten weggehalten.
Erst nach dem 3:1 durch Mittelstürmer Blohm (115.) erwacht etwas Ähnliches wie Kampfgeist bei den Gästen, zumindest bei einigen. Zuvor hatten die euphorisierten Gastgeber mit ihnen zeitweise „Katz und Maus“ gespielt. Hannover schafft zwar noch das 3:2 (117.) – aber an der Sensation ändert sich nichts mehr.
Grün-Weiß 07 hat die zweite Runde im Norddeutschen Pokal erreicht. Am 16. April trifft man sich am Millerntor wieder. Zum letzten Mal. Der spätere DFB-Pokalsieger Werder Bremen ist eine Nummer zu groß. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
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