Nix wie weg, wenn der "Udl" kommt - aus Eimsbüttels Sportgeschichte

Die weitläufige, neue Sportanlage Stellingen ist 1934 für 12.000 bis 15.000 Zuschauern zugelassen. Foto: Sammlung Schenkel
Von Fritz Schenkel, Eimsbüttel
Die Zeiten sind aufregend: Ein Ei kostet um die Jahreswende 1922/23 ungefähr 800 Mark, die Hyperinflation beginnt, ihren massenhaften Schrecken zu verbreiten. Für eine Lederpille muss man schon 25.000 Mark auf den Tisch legen, gekickt wird damit in der Regel auf der Straße. Die Idylle der Straßenfußballer auf der Lutterothstraße, damals eine der ersten Asphaltstraßen der Gegend, wird nur selten gestört.
Äußerst wachsam sein müssen die Jungen dennoch. Auf der Straße zu bolzen, ist in Hamburg noch verboten. „De Uddl kümmt“. Wenn dieser Ruf ertönt, heißt es, Lederpille unter den Arm und Beine in die Hand und dann Richtung Grenzstraße zu rennen. Mit den „Schutzmännern“ ist häufig nicht zu spaßen. An der Grenzstraße – heute Eidelstedter Weg – beginnt Preußen. Dort darf man auf den Straßen kicken. Also einfach auf die andere Straßenseite, Problem gelöst.
Andere Probleme liegen den jungen Männern, die gerade ihren SV West-Eimsbüttel gründen wollen, weitaus schwerer in den leeren Mägen. Der Name ist gefunden, die Spieltracht mit schwarzen Hosen und blau-gestreiften „Jerseys“ ebenfalls. Nur die dritte Bedingung, einen Verein ins Leben rufen zu dürfen, noch nicht: Ein Sportplatz fehlt noch und die Behörden verstehen alles andere besser als Spaß.
Da naht Hilfe in Gestalt Carl Hagenbecks. Auf Vermittlung seines Buchhalters, der in der Lutterothstraße wohnt, stellt er den jungen Fußballbegeisterten einen Teil seines Geländes zur Verfügung, der durch den Abriss des Vergnügungsparks Hugo Haase frei geworden ist. Auf dem Gelände steht allerdings ein ein Meter dickes Problem. Eine Eiche, acht Meter im Spielfeld, die nicht gefällt werden kann.
Dennoch erhält der SV West-Eimsbüttel vom NFV eine Ausnahmegenehmigung, dort spielen zu dürfen. Einmalig in Hamburgs Fußballgeschichte. 1925 wird die Eiche mit Hilfe von zwei Hagenbeckschen Elefanten aus der Erde gezogen und abtransportiert. Doch schon 1926 braucht der Tierpark das Gelände zur Erweiterung.
Nach einigen Jahren auf dem Wolfgang-Meyer-Sportplatz, der dann für Flakstellungen gebraucht wird, zieht „Wespe“ in das 1934 errichtete „Stadion Stellingen“. Möglicherweise geht es in einigen Jahren erneut auf die Reise: Im Zuge der Planungen für die „neue Stellinger Mitte“ Vom Sportplatzring an die Vogt-Kölln-Straße.
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