„Nicht wieder alle durcheinander laufen!“

Einteilen in Mannschaften: Johannes (Mitte in Grün) und Felix (rechts) zeigen den Flüchtlingen, wo es langgehen soll. (Foto: fs)

Hamburger spielen mit Flüchtlingen Fußball – ein Besuch beim SC Sternschanze

Fritz Schenkel, Sternschanze

Der erste Crash-Kurs in Deutsch beginnt bereits nach wenigen Sekunden. „Nicht alle wieder durcheinander laufen, wir sind hier nicht im Kindergarten. So wird das nie was.“ Gerade hat Johannes in einer Ecke auf dem Sportplatz Sternschanze begonnen, Flüchtlinge in vier Mannschaften einzuteilen. Aber schon stehen einige wieder mit ihren Landsleuten beisammen, obwohl die zu einer anderen Mannschaft gehören. Einige
haben sich schon die Bälle geschnappt, andere rennen zurück zu ihren Mobiltelefonen, deren Klingeltöne fast ununterbrochen zu hören sind.
Irgendwann haben Johannes und seine Mitstreiter Felix, Leo, Jakob und Matthes es doch geschafft, die notwendige Ordnung in das Gewusel zu bringen. Es ist das erste Mal, dass sie die Flüchtlinge, ausschließlich junge Männer, aus ihrer Unterkunft in den Messehallen abgeholt haben.
Vorige Woche sind auf einer von mehreren Hundert Anwohnern besuchten Versammlung viele Arbeitsgruppen gebildet worden. Auch eine überwältigende Willkommenskultur will gut organisiert sein. In die Listen der „Arbeitsgruppe Fußball“ haben sich viel mehr eingetragen, als sich auf dem Großfeld austoben könnten. Gekickt wird deswegen mit zwei Mannschaften auf jeweils einer Platzhälfte. Der SC Sternschanze hat seinen Platz, seine Umkleiden und Duschen bis Ende September zur Verfügung gestellt. Dann wird die Flüchtlingsunterkunft wieder zur Messehalle.

Ein paar Brocken Englisch kann jeder

Schon nach kurzer Zeit entfaltet der Fußball seine bekannte Kraft, Verständigungsprobleme gibt es nicht mehr. Ob aus Afrika, Asien oder Europa – alle sind mit heiligem Ernst bei der Sache.
„Es ist faszinierend zu sehen, wie einfach es ist, Menschen selbst in dieser Situation eine Freude zu machen“, sagt Johannes. Am Ende wird das Spiel in ungewohnter Lautstärke nachbereitet, ein paar Brocken Englisch kann jeder. Dann gehen Zettel und Kugelschreiber herum. Die Spieler sammeln die Namen ihrer Mannschaft – für das nächste Mal.
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