„Molly“ Stelling sprang zum Weltrekord

Ursula Stelling (l.) und ein Mitglied des Kampfgerichts freuen sich über den neuen Weltrekord. (Foto: pr)

Leichtathletin des SC Victoria legte die Marke um einen Zentimeter höher

Von Fritz Schenkel, Eimsbüttel – Eigentlich geht es nur darum, gemeinsam ein paar Tage Kultur zu genießen. „Der Sport ist nur der Aufhänger, um interessante Städte kennenzulernen“, sagt Ursula Stelling. Meis-tens wird die 70-Jährige – von aller Welt nur „Molly“ genannt – auf den Reisen von ihrem Mann begleitet. Na ja, und von den Deutschen Leichtathletik-Meis-terschaften der Senioren in Erfurt hat Stelling dann einfach mal so einen Weltrekord mitgebracht.
Mit 1,30 Meter hat sie die alte Bestmarke der US-Amerikanerin Kathy Bergen um einen Zentimeter übertroffen. Als sie bei 1,15 Meter in den Wettbewerb einstieg, hatte die letzte Konkurrentin bei 1,09 Meter bereits die Segel gestrichen.
Seit 60 Jahren ist die ehemalige Bankkauffrau Mitglied im SC Victoria, „ich bin durch und durch blau-gelb.“ Ehrensache, dass sie einen Abwerbeversuch des HSV entrüstet abgelehnt hat. „Ich sollte dafür damals einen Trainingsanzug bekommen.“
Ursula Stelling hat als Turnerin begonnen, im Sommer Leichtathletik: Lauf, Hürdenlauf, Fünfkampf oder Weitsprung. Nicht mit dem abstrakten Ziel, Rekorde aufzustellen, sondern „nur für den Körper, eher zur Entspannung. Wenn ich einen Trainingsanzug anhabe, vergesse ich alles um mich herum.“
Die Hochsprungtechnik habe sie sich selbst beigebracht, einen Trainer hat sie nie gehabt. Und dann muss sie natürlich gestellt werden, die unvermeidliche Frage nach dem Sprungstil. Na rücklings eben, „im Fosbury-Flop“, antwortet Stelling wie selbstverständlich.
Für Nachgeborene sei erwähnt, dass die Welt den „Fosbury-Flop“ erst seit 1968 kennt. Bis 1936 gab es die Vorschrift, mit den Füßen zuerst über die Latte zu springen. Und schon beim Lesen der einst vorherrschenden Sprungstile tut es weh, besonders an ohnehin empfindlichen Stellen: Frontal-Hocke, Schersprung und Bauch-Wälzer oder „Straddle“. Ursula Stelling vergisst aber auch nicht zu erwähnen, dass es gedauert hat, bis der halbe Rückwärtssalto etwas „für den Körper“ werden konnte: „Das ging erst, als es die entsprechenden Matten gab.“
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