Mehr als Rumgekloppe

Koordination und Technik sind das A und O: Hier trainiert der 18-jährige Boxer Paul Grünsch mit Helmut Jung für den nächsten Wettkampf. (Foto: lst)

Light-Contact-Boxing beim ETV - ein Selbstversuch

Laszlo Steinwärder, Eimsbüttel – Ich mache zwei Schritte nach vorne und zwei nach hinten. Dabei schlage ich abwechselnd mit der linken und der rechten Hand in die Luft und weiche dem imaginären Schlag meines Gegners aus. Nicht einfach für so koordinationsschwache Menschen wie mich, die ihre Freizeit sonst damit verbringen, auf einer großen Wiese gegen einen Ball zu treten. Ich komme immer wieder aus dem Rythmus. „Das ist am Anfang ganz normal“, weiß Helmut Jung, der seit elf Jahren Light-Contact Boxing beim ETV lehrt.
Ich merke schnell, dass es beim Boxen um mehr geht als Rumgekloppe und Show. Im Vergleich zu anderen Sportarten ist diese wesentlich anspruchsvoller für die Koordination.
„Zwei mal Führhand und ein rechter Haken“, ruft der 47-jährige, drahtige Trainer quer durch die stickige Halle. Ich boxe in die Hände meines Gegenübers. Der Schweiß tropft mir von der Stirn.
Die Führhand – das ist die Hand, mit der ein Laie versucht den Gegner zu beschäftigen, bevor die Schlaghand hinterherschießt und die Hand, mit der die Klitschkos ihre Gegner regelmäßig zermürben.
Wieder komme ich aus dem Tritt. Ich stelle mir vor, wie ich im Ring stehe und einen harten rechten Haken kassiere, während ich damit beschäftigt bin, mich um meine Steps und meine Deckung zu kümmern. Unschön. Zum Glück gibt es so etwas hier nicht. „Harte Schläge sind bei uns verboten und geben im Wettkampf sogar Punktabzug. Die Technik ist hier das Entscheidende, nicht die Kraft“, erzählt der Trainer von der Besonderheit des Light-Contact-Boxing gegenüber dem normalen Boxen. Deshalb wird auch nicht nach Gewicht, sondern nach Größe eingeteilt, und deshalb dürfen Frauen auch gegen Männer antreten.
Jung, der einer von drei lizenzierten Trainern in Deutschland ist, bezeichnet die von ihm geleiteten Einheiten als „vielfältiges Ganzkörpertraining“. Das bekomme ich spätestens bei den Fitnessübungen am Ende des Trainings zu spüren. Als es zuvor ans Kämpfen gegen die erfahrenen Boxer geht, lehne ich trotz allem lieber ab. Schmerzen werde ich morgen früh so oder so haben. Spaß gemacht hat es trotzdem.
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