„Man sagt: Er bolzt“

Ja, wo laufen sie denn: Berlins Fußball-Ikone Hans „Hanne“ Sobeck (links) und „Ali“ Beier in einer anspruchsvollen Choreografie. (Foto: pr)

Fußballgeschichte: Lokstedts Nationalspieler Albert „Ali“ Beier

Fritz Schenkel, Lokstedt

Als Albert Beier am 28. Dezember 1900 geboren wird, ist Lokstedt noch ein beschauliches preußisches Dorf. Das „sportliche Frühchen“ tobt schon als Fünfjähriger im Lokstedter Turnverein herum. Als 1908 der Sport-Club Eintracht gegründet wird, gehört Beier von Beginn an zu seinen begeisterten Kickern. Schon mit 13 Jahren taucht der einsatzfreudige Jungspund hin und wieder in der Ligamannschaft auf.
1920 zeigt sich „Ali Baba“ – den Spitznamen hat ihm die Presse inzwischen angehängt – erstmals eindrucksvoll als norddeutscher Sturkopf. Als Mannschaftskapitän wird er bei seinem Klubvorstand vorstellig. Er hat seine Mannschaft mit einem einheitlichen Trikot ausstatten wollen. Aber einige „Lehrlinge“ können das nicht auf einen Schlag bezahlen. Beiers Begehren nach einem Vorschuss wird vom Vorstand wochenlang abgelehnt. Bis ihm der Kragen platzt und er aus Wut darüber zusammen mit einigen Mitspielern zu Union 03 wechselt. Im Herbst 1921 holt ihn, der sich mittlerweile zu „einem Schrecken für den Angreifer“ entwickelt hat, der HSV.
Eine beispiellos erfolgreiche Zeit beginnt: Neun Norddeutsche Meisterschaften, Deutscher Meister 1923 und 1928, 1925 und 1930 Sieger des Bundespokals in der NFV-Auswahl, zwischen dem 14. Dezember 1924 und dem 24. Mai 1931 elf Länderspiele, 28 Berufungen in die NFV-Auswahl.

„Gefürchtet wegen seines Dazwischenfahrens“

Beier „ist gefürchtet wegen seines wüsten Dazwischenfahrens. Ist ein Rauhbein, dem der Abschliff fehlt. Er macht sich noch wenig Freunde. Man sagt: Er bolzt“, so die „Deutsche Sport-Illustrierte“ 1937 in einer Rückschau über seine fußballerische Entwicklung. „Abgerundet, gekonnt, pfiffig, überlegt, wird sein Spiel erst später, viel später.“ Nie kann oder will Beier das ablegen, was ein zeitgenössischer Journalist das „Hinein ins volle Menschenleben“ nennt. Auch wenn sich im Laufe der Zeit mehr und mehr die Kopfarbeit hinzugesellt, der bedingungslose Einsatz bleibt das Markenzeichen des rechten Verteidigers.
Uneingeschränkter Wertschätzung erfreut sich der Haudegen am Rothenbaum. Neben der Rücksichtslosigkeit gegenüber sich und den Gegnern sorgt auch seine Bescheidenheit über Jahre für höchste Popularitätswerte. Im Berufsleben betreibt er ein Feinkostgeschäft in der Grelckstraße. Albert Beier stirbt am 19. September 1972.
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