Kloppe am Rothenbaum

Schmach für Werder Bremen: ETV-Angreifer Gerd Ihns (rechts) erzielt kraftvoll das 2:1. (Foto: Der Sport)

1951: ETV-Anhänger prügelten sich mit Werder-Spieler

Von Fritz Schenkel, Eimsbüttel

Schnell ist klar, wohin die Reise an diesem 18. Februar 1951 gehen soll. Es ist keine zwei Monate her, seit sich der ETV am 2. Weihnachtsfeiertag an der Weser eine 0:4-Klatsche gefangen hat. Eigentlich standesgemäß, denn Werder Bremen gehört in dieser Spielzeit neben dem HSV und dem FC St. Pauli zu den Meisterschaftsfavoriten der Fußball-Oberliga Nord.
Doch die Kowalkowski – Risse, Manja 2 – Röwe, Manja 1, Ackermann – Ihns, Sell,
Eckhoff, Thielhorn und Kreher sind im Rückspiel am Rothenbaum immer noch geladen. Ihr Wille, hier und heute etwas gerade zu biegen, behagt den Bremern nicht. Werders Verteidiger „Sense“ Ackerschott und ETV-Angreifer Gerd Ihns liefern sich schon bald „das erste Boxvorpostengefecht“, wie die Fachpresse blumig überliefert hat. „Die scharfe Note griff aber auch auf andere Spieler über.“

Dritte Halbzeit wird auf der Straße ausgetragen

In der 73. Minute nutzt Ihns eine krasse Fehlentscheidung des Schiedsrichters, um per Elfmeter das frühe 0:1 (13.) auszugleichen. Überhaupt nicht beruhigen lässt sich danach Bremens Hans Pöschl. Er verwickelt den Unparteiischen in ein intensives Gespräch über dessen Fehlentscheidung. Ergebnis: Pöschl fliegt vom Platz.
Um in die Kabine zu gelangen, müssen die Spieler die Rothenbaumchaussee überqueren, das HSV-Klubheim liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Pöschl hat sich die wenigen Minuten bis zum Schlusspfiff zunächst an der Seitenlinie aufgehalten und noch das 2:1 (82.) wiederum durch Ihns und das 3:1 (89.) durch Richard Ackermann miterleben dürfen.
Die nun folgende dritte Halbzeit steht den beiden vorherigen in kämpferischem Einsatz in nichts nach: Auf dem Weg zur Kabine wird Pöschl um ein Interview gebeten, nicht gerade wohlwollend kommentiert von einigen abziehenden ETV-Fans. Pöschl, noch mit einem entsprechenden Adrenalinpegel abgefüllt, fackelt nicht lange und knallt dem Absender eine. Im Handumdrehen entwickelt sich daraus eine kleine, aber heftige Keilerei inmitten des Verkehrs auf der Rothenbaumchaussee. Zur Ehrenrettung des ETV-Anhangs darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass „besonnene Sportfreunde dem unwürdigen Nachspiel ein rasches Ende“ bereiten.
Nachzutragen bleibt noch, dass sich Pöschls Angriffslust nicht auszahlt: Am Saisonende wird es mit der angepeilten
Meisterschaft nichts. Werder landet auf Rang sechs, noch hinter dem ETV, der mit 37:27 Punkten und 51:47 Toren Fünfter wird.
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