HSV-Albtraum an der Hoheluft

Eine besondere Auszeichnung: Herbert Panse schafft es sogar auf die damals sehr populären Union-Sammelbildchen. (Foto: pr)

Aus der Sportgeschichte: Die ETV-Legende Herbert Panse gegen den HSV

Fritz Schenkel, Eimsbüttel

Der HSV ist mit einer gewissen Gereiztheit angereist. Zehn Jahre lang haben die Rothosen seit 1923 ununterbrochen die Norddeutsche Fußball-Meisterschaft gewonnen, ehe der ETV sich im Sommer die unerhörte Majestätsbeleidigung herausgenommen hat, diese Serie zu durchbrechen. Gereizt und trotzdem siegesgewiss. Der ETV hat schon seit Jahren nicht mehr gegen den HSV gewonnen.
Niemand unter den 12.000 Zuschauern im ETV-Stadion an der Hoheluft spürt an diesem 2. Dezember 1934 die Kälte. Sie werden Zeuge eines denkwürdigen Auftritts der „Eimsbütteler Werktätigen“ (O-Ton Walter Jens). Hauptdarsteller: Herbert Panse.

Panse lernte Kicken in Eimsbüttels Hinterhöfen

Der 20-jährige gebürtige Dresdner hat das Kicken auf den Straßen und in den Hinterhöfen Eimsbüttels gelernt. Panse ist mittelgroß, nicht besonders kräftig und hat einen leichten Buckel. Dennoch gelingt es dem technisch versierten, beidfüßig schießenden Angreifer innerhalb kürzester Zeit, Nationalspieler Otto Rohwedder von dessen angestammter Position als Mittelstürmer zu verdrängen.
Beide Mannschaften liefern sich ein Duell mit offenem Visier, einen ständig hin- und her- wogenden Schlagabtausch. Am Ende hat der ETV den HSV mit 8:3 in seine Einzelteile zerlegt und Panse fünf Tore geschossen. „Solch einen Jubel hat der Hoheluft-Platz lange nicht mehr erlebt. Die Spieler umarmten die Torschützen und trugen sie zu ihren Plätzen zurück, die Tribüne hallte wider unter den Anfeuerungsrufen der Eimsbütteler, die Ränge rasten vor Begeisterung, der Schlachtruf der HSVler ‚Auf ihr Männer‘ erstarb auf den Lippen der Rothenbaumer, denen es bei den Torschüssen der Rotjacken grün und blau vor Augen wurde“, fasst das Fachblatt „Fußball“ die Ereignisse wortgewaltig zusammen.
Dass Panse nur einmal in die DFB-Auswahl berufen wird, liegt vor allem an der übermächtigen Konkurrenz: Karl Hohmann (VfL Benrath), Ernst Kuzorra (Schalke 04), August Lenz (Borussia Dortmund), Otto Siffling (Waldhof Mannheim) und vor allem Edmund Conen (FV Saarbrücken).

Erst Trainerausbildung, dann leitet er eine Weinstube

Nach Kriegsende wird der gelernte Dreher Panse an der Sporthochschule Köln zum „Fußball-Lehrer“ ausgebildet und wirkt als Spielertrainer bei der TSG Vohwinkel, der SpVgg. Andernach und dem Eckernförder SV. Anfang der 1950er Jahre kehrt er nach Hamburg zurück, betreibt eine „Wein- und Probierstube“ und trainiert den Lüneburger SK und Altona 93. Herbert Panse stirbt am 25. August 1980.
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