Hans Liesche holte die erste Olympia-Medaille für Hamburg

Hans Liesche glänzte in vielen Sportarten, 1912 gewann der ETVer Silber bei den Olympischen Spielen in Stock- holm. (Foto: Sammlung Schenkel)

Der Mann aus Eimsbüttel gewann 1912 Silber im Hochsprung.

Von Fitz Schenkel.
Stockholm, 8. Juli 1912: Von einem wolkenlosen Himmel brennt die Sonne erbarmungslos auf drei Hochspringer herab. Die beiden US-Amerikaner George Horine und Alma Richards und der Deutsche Hans Liesche sind die Letzten, die im Hochsprung mit Anlauf der Olympischen Spiele bei 1,91 Meter noch im Wettbewerb sind.
Liesche ist ein am 11. Oktober 1891 geborener „Hamburger Jung“. 1899 meldet ihn sein turnbegeisterter Vater gemeinsam mit seinem drei Jahre älteren Bruder Karl beim ETV an. Geturnt wird damals noch in einer kleinen Schulturnhalle in der Wrangelstraße. Die beiden Liesches sind gut, bringen es als Mitglieder der „Musterriege“ nacheinander sogar zu deren Vorturner. Doch der Mief des turnerischen Drills wird ihnen bald buchstäblich zu eng.
Der in der erbitterten Rivalität zum Turnen abgegrenzte, neu aufkommende „Sport“ hat es ihnen angetan. Schwimmen, Faustball, Schlagball: Überall, wo sie im ETV auftauchen, glänzen die Beiden mit herausragenden Leistungen. Als die Fußball-Abteilung gegründet wird, macht Hans Liesche schnell als Mittelläufer auf sich aufmerksam. Seine glühende Begeisterung für den Radsport endet jäh nach einem Sturz. „Radfohrn is ut“, befiehlt der erboste Vater seinem zerschundenen jüngeren Sohn und zerbricht dabei die Reste des kaputten Fahrrads.
1909 missglückt Hans Liesche, nun Schiffsmakler-Lehrling, das Debüt bei den Leichtathletik-Meisterschaften des Bezirks III des Norddeutschen-Fußball-Verbands auf der Eisbahn am Dammtor. 1911 hat er dann das richtige Schuhwerk – Nagelschuhe – dabei. Er wird Hamburgischer, Norddeutscher und Deutscher Meister im Hochsprung. Eine bis dahin beispiellose Karriere nimmt ihren Lauf.
Bis zu den Olympischen Spielen in Stockholm hat er seine Bestleistung auf 1,87 Meter geschraubt. Horine ist jedoch am 30. März als erster Mensch über zwei Meter gesprungen. Nun allerdings reißt der Favorit drei Mal die 1,91 Meter. Liesche überspringt sie im ersten, Richards im zweiten Versuch. Die nun aufgelegten 1,93 Meter schafft Richards im ersten Versuch. Dann wird der Hochsprung wegen des 800-Meter-Laufs der Männer unterbrochen. Liesches Konzentration ist futsch, drei Mal scheitert er an der Höhe.
Sein „Silber“ ist die erste olympische Medaille für einen Hamburgischen Leichtathleten überhaupt. Danach wird Liesche noch zwei Mal Deutscher Hochsprung-Meister. 1937 zieht Liesche nach Berlin, dort stirbt er am 30. März 1979.
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