Frauenfußball: HSV zieht sich aus der Bundesliga zurück

Adieu: Die HSV Frauen hätten weiter in der Bundesliga spielen können – der Verein wollte das aber nicht, aus finanziellen Gründen. (Foto: publicadress)

Offiziell ging es ums Geld, aber liegt dem Club vielleicht nichts am Spitzenfußball?

Fritz Schenkel, Stellingen – Bayern München, Freiburg oder Wolfsburg – diese großen Namen werden in der kommenden Saison nicht mehr im Stadion an der Hagenbeckstraße auflaufen. Der HSVzieht sein erfolgreiches Frauenteam aus der Fußball-Bundesliga zurück. Dafür hagelte es Kritik.
„Man wird den Eindruck nicht los, dass die Frauen die Zeche zahlen müssen für wirtschaftliche und finanzielle Fehler bei der Bundesliga-Mannschaft der Herren“, sagte etwa Dirk Fischer, Präsident des Hamburger Fußball-Verbands. Für Nationalspielerin Kim Kulig, im Sommer 2011 nach drei Jahren vom HSV zum 1. FFC Frankfurt gewechselt, war das Ganze schlicht „schwach, traurig, peinlich.“
Aber wer sich im Verkaufspoker um einen alternden Bundesliga-Torhüter wie Jaroslaw Drobny mit dem FC Bayern um Millionen verzockt und dann wegen fehlender 100.000 Euro auf die Frauenfußball-Bundesliga verzichtet, muss auf solche Reaktionen gefasst sein.
Anlass für die Schelte: Trotz sportlicher Qualifikation verzichtet der HSVaus wirtschaftlichen Gründen auf die 1. und 2. Frauenfußball-Bundesliga. Die beiden letzten Geschäftsjahre hat der Gesamtverein mit einem Minus von jeweils ungefähr fünf Millionen Euro abgeschlossen. Nun muss gespart werden. Um im kommenden Geschäftsjahr eine ausgeglichene Bilanz vorlegen zu können, müssen „die Zuschüsse in Vereinsbereiche, die sich nicht eigenständig finanzieren können, reduziert werden“, so die offizielle HSV-Lesart. Und der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow beeilte sich zu versichern: „Dies ist keine Entscheidung gegen den Frauenfußball.“
Ist es aber doch, zumindest gegen den Frauenfußball in der Spitze. Mit dem Beschluss, sich zukünftig mit der dritten Liga zu begnügen, wird die systematische Aufbauarbeit der vergangenen Jahre abgewürgt. Ganz zu schweigen von einer Etablierung in der Spitze der Frauenfußball-Bundesliga.
An der Hagenbeckstraße wird es zukünftig wieder gemütlicher zugehen: Die Gegnerinnen werden Bergedorf 85, Ahlerstedt/Ottendorf, Immenbeck, Havelse oder Burg Gretesch heißen.
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