Er will Faustball wieder populär machen!

Claus Ehlbeck engagiert sich in der Flüchtlingsarbeit des Eimsbütteler Turnverbandes. Den Erfolg der ETV-Ballspielgruppe „Refugees“ will er auf Hamburg ausweiten. (Foto: Schenkel)

Flüchtlingsarbeit inspiriert ETV-Abteilungsleiter zu großen Plänen für das Rückschlagespiel

Fritz Schenkel, Eimsbüttel

Claus Ehlbeck ist in einem Alter, in dem viele Menschen darüber nachdenken, es nach ihrem Abschied aus dem Berufsleben etwas ruhiger angehen zu lassen. Nicht so der Vorsitzende der kleinen, aber feinen Faustball-Abteilung des Eimsbütteler Turnverbands (ETV), die im Laufe ihres 120-jährigen Bestehens an die 30 nationale und internationale Titel gesammelt hat. Zu sagen, er hat sich noch einmal ehrgeizige Ziele gesetzt, ist schon eine Untertreibung.
„Wir wollen versuchen, Faustball in Hamburg wieder populär zu machen.“ Nun gut, für einen Faustball-Enthusiasten, Ex-Nationalspieler und den Sohn der 2015 verstorbenen Faustball-Legende Peter Ehlbeck hört sich das erstmal nicht ungewöhnlich an. „Die Flüchtlingsarbeit hat mir den Mut gegeben.“ Das schon eher.
Seit Monaten kümmern sich Ehlbeck und seine Mitstreiter Ludwig Becker und Uwe Sötje um iranische Flüchtlinge aus der Erstaufnahme in der Kieler Straße. Unterstützung bei der Bewältigung eines noch fremden Alltags. Oder Ausflüge mit 40 bis 60 Menschen, überwiegend Kindern. An Orte, an denen es in Hamburg „Möglichkeiten gibt, kostenlos schöne Stunden zu verbringen“, so Ehlbeck. „Um einfach mal der Trostlosigkeit des Lagers zu entkommen.“
„Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich das erste Mal mit in der Unterkunft war. Später auf dem Nachhauseweg hatte ich im Autoradio gehört, dass der HSV gegen Hoffenheim verloren hatte. Normalerweise ist dann für mich der Tag gelaufen. Aber diesmal hat mich das gar nicht richtig erreicht. Mich haben die Eindrücke aus der Flüchtlingsunterkunft einfach nicht losgelassen.“ Und dann das: Es gelingt den Faustball-Enthusiasten, die Flüchtlinge für ein ihnen vorher völlig unbekanntes Spiel zu begeistern. Die ETV-Ballspielgruppe „Refugees“ entsteht. Sie soll aber nur der Anfang sein. Faustball soll in den Schulen Fuß fassen, der Aufbau einer Schüler- und Jugendabteilung ist geplant.
Den „deutschen Dorfsport“ Faustball mit Hilfe von Integrationsarbeit mit Flüchtlingen in der Großstadt wieder populär zu machen – die Geschichte gestattet sich mitunter eine feine Ironie.
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