Als „Vicky“ den FC Bayern zerlegte

Victorias Keeper Kung (2. v. r.) irrt durch seinen Strafraum und kassiert das 0:1. (Foto: „Fußball-Woche“)

Ostern 1938: SC Victoria besiegt die Münchener mit 6:1

Von Fritz Schenkel, Eimsbüttel

Es ist nicht überliefert, wie viel der SC Victoria auf den Tisch gelegt hat. Das ist aber auch nicht wichtig. Erstaunlich ist, dass es eine Zeit gegeben hat, in der die Eimsbütteler finanziell in der Lage gewesen sind, den FC Bayern für ein Freundschaftsspiel an die Hoheluft zu holen.

Eine Partie zum Lernen für die junge Mannschaft

Ostern 1938. Der Liga-Spielbetrieb macht Pause, und es laufen die Gruppenspiele um die Deutsche Fußballmeisterschaft. Kein Thema für „Vicky“, hier tummelt sich der HSV, der aufgrund seines besseren Torverhältnisses vor dem punktgleichen ETV Norddeutscher Meis- ter geworden. Victoria befindet sich im Umbruch, die „Zitronen“ werden die Spielzeit als mickriger Sechster abschließen, 19 Punkte hinter dem HSV und ETV. Was liegt näher, als der neu aufzubauenden Mannschaft Gelegenheit zum Lernen zu geben.
Eingeladen worden ist der FC Bayern München, der seit Ende der 1920er Jahre zum deutschen Fußball-Establishment gehört. Der Deutsche Meister von 1932 zieht mit seinen Nationalspielern Ludwig Goldbrunner und Wilhelm
Simetsreiter 6.000 Zuschauer auf die Hoheluft.
Während der ersten Halbzeit zeigen sich die Bayern als vollendeter Gast: Sie lassen „den Ball rollen“, zeigen „alle Variationen sauberer Ballkontrolle“ und „entzücken das Auge durch feine Schachzüge“. Aber sie schießen nur ein Tor, die verbissen kämpfende Victoria schafft das 1:1.

Victorias „Knabensturm“ lässt sich nicht beeindrucken

Nach dem Seitenwechsel bricht es dann aber über die Münchener herein: Victorias sogenannter „Knabensturm“ Heine, Albrecht, Ehlers, Göbe und Ingwersen lässt sich von deren Feldüberlegenheit nicht beeindrucken. Sage und schreibe fünfmal bringen die Victoria-Spieler die Lederkugel im Bayern-Gehäuse unter, am Ende steht ein sensationeller 6:1-Erfolg.
Rolf Ehlers hat allein fünfmal getroffen. Er ist der Sohn von Hermann Ehlers. „Etsche“ Garrn, so sein Alias-Name aus der Zeit, als noch nicht alle Fußballer erkannt werden dürfen, ist am 7. Juni 1908 Victorias dritter Nationalspieler geworden. Sein mit so viel Talent ausgestatteter Sohn hat den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt.
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