24.000 beim Lokalderby gegen den HSV

Der „ETV-Tribünensportplatz“ am Lokstedter Steindamm: Am 20. März 1938 kamen 24.000 Zuschauer zum Spiel gegen den HSV – auch Hamburger Nazi-Prominenz sonnte sich in dem Ereignis. Foto: Sammlung Schenkel

Am 20. März 1938 verbuchte der ETV einen ewigen Zuschauerrekord

Fritz Schenkel, Eimsbüttel

Seit Wochen interessiert im Hamburger Fußball nur das direkte Aufeinandertreffen der beiden großen Rivalen, mit dem am vorletzten Spieltag die Norddeutsche Meisterschaft entschieden werden soll. 20 Punktspiele hindurch sind der Titelverteidiger HSV und der ETV Kopf an Kopf und ungeschlagen durch die Gauliga Nordmark marschiert. Das direkte Duell an diesem 20. März 1938 soll die Entscheidung bringen.
Als der ETV zusammen mit dem Titelverteidiger aufläuft, verstopfen 24.000 Zuschauer den „Tribünensportplatz“ am Lokstedter Steindamm. Niemals vorher und nachher sowieso nicht hat der ETV zu Hause vor einer derartigen Kulisse gespielt. „Eindringlich sehen wir einmal mehr, wie bitter nötig Hamburg eine zeitgemäße Anlage braucht, eine Anlage würdig der Größe und Bedeutung dieses Ausfalltores zur Welt ... Sie darf nicht weit zurückstehen hinter unserem Olympiastadion“, schreibt die „Fußball-Woche“. Rot-Weiß gegen Weiß-Rot ist ein gesellschaftliches Ereignis, in dem sich auch die hamburgische Nazi-Prominenz bis hin zum „Reichsstatthalter“ Karl Kaufmann sonnt.
In den ersten 20 Minuten scheint es, als wolle der ETV den favorisierten HSV überrennen. Schon in der zweiten Minute drückt Torjäger Herbert Panse einen Freistoß von Nationalspieler Hans Rohde zum 1:0 über die Linie. In der 25. wuchtet Otto „der Große“ Rohwedder einen Eckball zum 2:0 ins Netz. Erst in den letzten Minuten vor der Pause bekommt der HSV überhaupt ein Bein auf die Erde.
Nach dem Seitenwechsel dauert es eine Viertelstunde, ehe die Rothosen sich freigespielt haben: Für den Brustlöser zum 2:1 (64.) sorgt der großartige Rudi Noack per Kopf. Das 2:2 (67.) staubt Frido Dörfel ab, als er einen Weitschuss Noacks über die Linie drückt.
Auch wenn der Titelkampf mit diesem 2:2 noch nicht entschieden ist, erhält der HSV nach dem Schlusspfiff den obligatorischen Lorbeerkranz des norddeutschen Meisters. Seinem Torverhältnis von 99:26 kann der ETV nur 87:26 Treffer entgegensetzen. Zwar gewinnt der ETV seine abschließende Partie bei Borussia Harburg mit 3:1, aber weil der HSV gleichzeitig Phönix Lübeck mit 7:0 zerlegt, wird es zunächst nichts mit dem vierten Meistertitel für den ETV.
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