Zwischen Hamburg und Jerusalem

Markantes Gebäude: Anfang der 1950er-Jahre diente das damalige Finanzamt am Schlump als Filmkulisse für den „Hauptmann von Köpenick“ mit Heinz Rühmann. (Foto: cvs)
Hamburg: Institut für die Geschichte der deutschen Juden |

Jubiläum: Forschungsinstitut am Schlump feiert 50. Geburtstag

Von Christopher von Savigny, Eimsbüttel

Susanne Küther dreht an einem schwarzen Hebelrad, das stark an eine Tresorverriegelung erinnert. Dann schiebt die Bibliotheksleiterin das schwere Rollregal beiseite. Hunderte von Büchern geraten mit einem Mal ins Blickfeld – lauter Buchrü-cken mit deutschen, jiddischen oder hebräischen Titeln, die von der Geschichte des deutschen und des Hamburger Judentums berichten. Die ältesten Bände im Regal stammen aus dem 16. Jahrhundert.
Über drei Etagen erstreckt sich die insgesamt 70.000 Bände starke Sammlung des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ), das in diesem Jahr 50 Jahre alt wird. Seit 2007 ist die Einrichtung im ehemaligen Finanzamt am Schlump Zuhause, das sie sich mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) teilt. Das IGdJ verfügt deutschlandweit über eine der größten und bedeutendsten thematischen Sammlungen. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Historie der Hamburger, der Altonaer und der Wandsbeker Juden.
Das IGdJ forscht und veröffentlicht, bietet Lehrveranstaltungen für Studenten an und dient nicht zuletzt als öffentlich zugängliche und kostenlos nutzbare Bibliothek. „Diese Schnittstelle zwischen Forschung und Lehre hat mich gereizt“, sagt Miriam Rürup, seit knapp vier Jahren Direktorin der Einrichtung. Das IGdJ hat eigene Hörsäle – sehr gerne genutzt wird auch der Lesesaal mit Lehrbuchsammlung.

Dokumente und Bücher werden seit 1945 gesammelt

Auch wenn mit dem IGdJ-Jubiläum das Geburtsjahr 1966 gefeiert wird: Gesammelt haben die Archivare schon seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Nachdem man zunächst in Streit darüber geraten war, ob das wertvolle Kulturgut nicht doch besser in Israel gelagert sei, einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss – eine Hälfte in Hamburg, die andere in Jerusalem. „An beiden Orten kann man das gesamte Material auf Mikrofilm sichten“, erklärt Rürup. Für die Zukunft wünscht sich die Direktorin, dass die Dokumentation über die Hamburger Stolpersteine weiter fortgeführt wird. „Außerdem wollen wir unsere Online-Präsenz verbessern“, so die Direktorin.
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