Zu teure Miete?

Das Centro soll bleiben: „Je mehr Gentrifizierung, desto dringender wird der Bedarf nach nichtkommerziellen Räumen“, sagen Anke Haarmann und Christian Brunotte vom Centro Sociale. (Foto: cvs)
Hamburg: Centro Sociale |

„Kultur ist keine Ware“: Centro Sociale stellt die Grundsatzfrage

Von Christopher von Savigny, Sternschanze – Fünfeinhalb Euro kalt pro Quadratmeter – eine traumhaft günstige Miete, möchte man meinen. Noch dazu, wenn das Objekt mitten in einem Hamburger Szeneviertel liegt. Das Nachbarschaftszentrum Centro Sociale in der Sternstraße hat an seinem Vertrag dennoch ordentlich zu knabbern: Auf knapp 4.000 Euro beläuft sich die Kaltmiete – demnächst steht wohl eine Erhöhung an. Die genossenschaftlichen Betreiber müssen sich entscheiden, ob sie den Mietvertrag verlängern (siehe Kasten). Sie stellen dabei die Grundsatzfrage: Darf Kultur überhaupt etwas
kosten?
Im roten Backsteinbau auf dem Schlachthofgelände wird eine Menge angeboten: Es gibt eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt, kreatives Arbeiten für Kinder sowie Sprachkurse für Erwachsene. Die Räume werden von der Erwerbslosen-Selbsthilfe, von Theatergruppen und von politischen Gruppierungen genutzt. Regelmäßig finden Konzerte, Lesungen und Filmabende statt. Das Centro versteht sich als Gegenpol zur rasanten Aufwertung und Verteuerung des Viertels (Gentrifizierung), ist Ausgangsbasis vieler politischer Initiativen. Zugleich muss sich das 2008 gegründete Zentrum selbst um Einnahmen kümmern, um überleben zu können.
Etwa zehn bis 15 Personen umfasst der harte Kern der Genossenschaft, der sich ehrenamtlich einbringt und Räume vermittelt. „Wir wollen eigentlich nicht, dass das etwas kos-tet“, sagt Vorstandsmitglied Christian Brunotte. „Aber die Stadt lässt uns keine andere Wahl.“ Bei 60 bis 80 Euro pro Abend liegt der Richtwert für den 100 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal – also vergleichsweise wenig. „VIP“-Nutzer wie zum Beispiel der NDR zahlen dagegen eine „professionelle“ Miete.
Dazu kommen die Einnahmen der angeschlossenen Kneipe „Feldstern“ – derzeit etwa 2.000 Euro im Monat. Auf diese Weise hat es das Centro bislang immer geschafft, über die Runden zu kommen. Allerdings verspüren die Ehrenamtlichen nur wenig Lust, sich immer weiter selbst auszubeuten, wie Vorstandsmitglied Anke Haarmann es nennt. „Schließlich profitiert die Stadt davon, dass wir kulturelle Arbeit für die Menschen im Viertel machen.“

Mietvertrag


4.000 Euro Kaltmiete und rund 2.500 Euro Nebenkos-ten: Das muss beim Centro Sociale erstmal wieder reinkommen. Der Mietvertrag mit der steg („Stadterneuerungs- und Stadtentwick-lungsgesellschaft Hamburg“) läuft Ende 2014 aus – gemäß Vertrag müssen sich die genossenschaftlichen Betreiber des Centro allerdings schon jetzt entscheiden, ob sie verlängern wollen. „Ende des Jahres wird darüber abgestimmt“, sagt Vorstandsmitglied Christian Brunotte.
Eine Mietminderung ist leider nicht in Sicht – im Gegenteil: „Es ist eine geringfügige Anpassung von 5,50 auf 5,78 Euro geplant“, sagt steg-Geschäftsführer Hans Joachim Rösner. Dies sei bereits vorab vertraglich so vereinbart worden. Den Wunsch nach einer niedrigeren Miete könne wohl jeder nachvollziehen. „Aber es war von Anfang an völlig unstrittig, dass dort auch Erträge erwirtschaftet werden müssen.“ CVS
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