Zehn Jahre Theater N.N.: Mit Fantasie geht alles

„Ein ganz gewöhnlicher Jude“ ist ein Solostück über die Zweifel eines modernen jungen Manns an seiner jüdischen Identität. „Wir sind spannender geworden in den letzten Jahren“, sagt Regisseur und Leiter Dieter Seidel. Foto: Tobias Gloger

Wie Eimsbüttel zu seiner eigenwilligen Bühne kam

Zehn Jahre Theater N.N. in Eimsbüttel: Das sind etwa 30 eigene Produktionen, unzählige Gastspiele von freien Ensembles, pro Jahr etwa 150 Aufführungen. Aber was sagen diese nüchternen Zahlen? Für das Team der kleinen Privatbühne im Hellkamp 68 geht es um mehr. Um sinnliches Theater, Auseinandersetzung mit dem Publikum. Man kann es etwas altmodisch ausdrücken: Sie wollen anrühren, etwas bei den Zuschauern bewegen.
Es ist fast ein kleines Wunder, dass das N.N. noch existiert. Denn von Anfang an war das Geld knapp, und das ist im Prinzip noch heute so. Im Herbst 2001 übernahm Gründer Dieter Seidel mit seiner Gruppe freier Schauspieler die Räume, in denen ehemals die Gaststätte „Freddis Ballhaus“ war. „Es stank hier fürchterlich nach Muff, wir haben erstmal alles rausgeschmissen, eine Beleuchtung installiert“, erzählt Seidel. Eröffnung war im März 2002.
Auf die große Show mit opulenter Technik legt das Team keinen Wert. Es geht der Gruppe vielmehr darum, Theater zu machen, das die Autoren und Schauspieler in den Mittelpunkt rückt. Der Stoff zählt. Mal gibt es ein Kammerspiel mit ein bis drei Schauspielern, mal kommt eine Musikrevue dabei raus. Die Gruppe schreibt die meisten ihrer Stücke selbst – über Heinrich Heine oder das Vorbild Molière, der Jahrhunderte zuvor eine Art Theater-Kommune gegründet hatte. „Jeder macht alles, und alle teilen alles, das war auch etwas, was wir wollten“, so Seidel. Wenn da nicht das Geld wäre. Nach ein paar Jahren Ackern an allen Fronten – Einnahmen für die Miete ranschaffen, den Betrieb am Laufen halten, inszenieren, werben – war fast die Luft raus. „Wir konnten nicht mehr“, so Seidel. Doch da gab es einen Mann, der etwas Geld übrig hatte, um das Theater von den gröbsten Existenzsorgen vorübergehend zu befreien. Es ging weiter.
Mittlerweile gilt das N.N. als Bühne mit charmantem kleinen Programm als etabliert. „Wir sind spannender geworden“, sagt Seidel.
Und das Geld? Seit zwei Jahren gibt es eine Förderung von der Kulturbehörde, die die wichtige finanzielle Basis sichert. Ideen hat das N.N.-Team ja offenbar selbst genug.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.