Zählen, messen, wiegen

72 Zentimeter: Marion Minde und Guido Westhoff haben bei diesem Anakonda-Jungtier genau nachgemessen. Foto: Götz Berlik

Zum Jahresende: Tier-Inventur bei Hagenbeck

Von Horst Baumann, Stellingen – Ana zierte sich, die Anakonda-Dame wollte ihre Körpermaße nicht preisgeben. Das fünfeinhalb Jahre alte Reptil hatte einfach keine Lust auf die jährliche Inventur. „Wenn eine Riesenschlange nicht freiwillig mitmacht, sollte man sie lieber in Ruhe lassen“, sagte Guido Westhoff, der Leiter des Tropen-Aquariums. Glücklicherweise ist Netzpython Marlies eingesprungen. Die 120 Kilogramm schwere Schlange verriet den Pflegern ihre Länge: stolze 6,40 Meter. Diese Würgeschlangen können bis zu acht Meter lang werden, somit hat Marlies noch etwas Potenzial.
Auch das erst vier Monate alte Anakonda-Jungtier wird noch um einiges wachsen. Denn mit 338 Gramm und 72 Zentimetern ist der Weg zur echten Riesenschlange noch recht weit.
Glücklicherweise hatte Fransenschildkröte Raffaello die Ruhe weg. Mit dem arttypischen Lächeln im Gesicht ließ er die Wiegeprozedur relativ gelassen über sich ergehen, versuchte lediglich ein paar Mal nach Dr. Westhoff zu schnappen. Kein Wunder, der indianische Name dieser Schildkrötenart „Matamata“ bedeutet nicht ohne Grund „Ich töte“. Stolze 7,94 Kilogramm wiegt der 41 Zentimeter lange Raffaello. Er hat somit 50 Gramm verloren. Aber Tierpflegerin Marion Minde macht sich keine Sorgen: „Das ist ziemlich genau das Gewicht eines Futterfisches. Das letzte Wiegen fand nach dem Frühstück statt.“
Ein konzentrierter Blick und ein schneller Daumen sind das notwendige Zubehör beim Fische zählen. Mit einem Spezialgerät in der Hand überprüfte Tierpfleger Florian Ploetz in mühevoller Kleinarbeit den Bestand verschiedener Arten. Der Amazonas-Flusslauf des Tropen-Aquariums ist das größte bepflanzte Süßwasser-Aquarium der Welt, deshalb hatten die 15 Rotrückenskalare, sieben Nachtsalmler und der einzige Diskus-Buntbarsch genügend Deckung zwischen den Wasserpflanzen und entzogen sich immer wieder blitzschnell dem geübten Blick.
Nach der ausführlichen Tier-Inventur kehrt wieder Ruhe ein im Tropen-Aquarium, bis es im nächsten Jahr erneut heißt: zählen, messen, wiegen.
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