Wohnungsverkauf: Mietergenossenschaft Karolinenviertel offenbar chancenlos

Christoph Rauch (mit der vierjährigen Leokadia), Antje Kianidoost und Peter Ohrt aus dem Vorstand der MieterInnengenossenschaft Karolinenviertel kämpfen weiter gegen einen Verkauf der sanierten Wohnungen an die Saga/GWG. (Foto: pa)

Finanzbehörde hat sich offenbar auf Saga/GWG festgelegt – Mietergenossenschaft gibt nicht auf

Jan Paulo, Karolinenviertel – Aufgegeben haben sie längst noch nicht, die Stadtteilaktivisten von der MieterInnengenossenschaft Karolinenviertel. Dabei steht ihre Sache alles andere als gut. Die Stadt möchte die 923 Wohnungen und 203 Gewerbeeinheiten, die zurzeit noch im Rahmen der Sanierung von der Stadterneuerungsgesellschaft Steg verwaltet werden, an die Saga/GWG verkaufen. Es geht um rund ein Drittel des Karoviertels.
Als Kaufpreis sollen rund 100 Millionen Euro im Gespräch sein. Die Bewohner befürchten, dass sich dieser Kaufpreis in saftigen Mieterhöhungen niederschlägt und viele Kleinverdiener und Hartz-IV-Empfänger ihre Wohnungen schon bald nicht mehr bezahlen können. Die Alternative: Eine Mietergenossenschaft übernimmt die betreffenden Häuser von der Steg, verwaltet diese selbst und garantiert günstige Mieten.
Doch bei den Behörden stieß die eigens gegründete Genossenschaft mit dieser Idee bisher auf taube Ohren. „In den bisherigen Gesprächen haben uns die Senatsvertreter deutlich gemacht, dass die Stadt von ihrem Vorhaben nicht abrücken möchte und eine Privatisierung nicht in Frage komme“, erzählt Peter Ohrt aus dem Genossenschaftsvorstand.
Tatsächlich legt sich Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, fest: „Wir wollen die Gebäude in städtischem Besitz behalten“, erklärt er. „Die Saga/GWG ist ein öffentliches Unternehmen und dem Gemeinwohl verpflichtet, die Verhandlungen sind schon weit fortgeschritten.“
Bei der Saga/GWG selbst gibt man sich zu den Kaufverhandlungen und geplanten Mieterhöhungen zugeknöpft. „Noch ist kein Vertrag unterschrieben, die Saga/GWG ist nicht mehr als ein Kaufinteressent“, so Unternehmenssprecher Michael Ahrens, „darum äußern wir uns nicht zu diesen Immobilien“.
Die Vertreter der Genossenschaft geben nicht auf. Mit einem großen Straßenfest und mehr als 300 Besuchern haben sie den Platz an der Ecke Grabenstraße/Marktstraße symbolisch „Platz der Genossenschaft“ getauft. Peter Ohrt: „Wir bereiten ein Volksbegehren vor und werden auf ganzer Linie politischen Druck erzeugen."
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